Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Selbstversorger im Kleinformat Ein Garten auf dem Balkon im Selbstversuch

Von Kristina Roispich | 15.05.2017, 09:32 Uhr

Ein Garten auf dem Balkon? Das hat unsere Volontärin mit vielen Tipps vom Gartenexperten einmal selbst ausprobiert.

Man nehme: einen Balkonkasten, Erde, Samen, ein bisschen Wasser und ganz viel Liebe. Und im Nullkommanichts wächst ein kleiner Tomatenstrauch. Oder so ähnlich. Denn ganz so schnell wächst das Grün natürlich nicht. Wer aber einige Dinge beachtet, kann auch auf einem kleinen Balkon in Delmenhorst viel Freude mit Kräutern, Blumen, Obst und Gemüse haben.

Zwei Balkonkästen und das richtige Handwerkzeug habe ich mir schon einmal gekauft. Und nun?

Was soll ich pflanzen?

Die Möglichkeiten sind ja schier endlos. Blumen, Kräuter oder vielleicht sogar Gemüse? Christian Bartz, Gärtner und Marktleiter von Blumen Ostmann in Varrel, hilft mir weiter. „An Kräutern darf alles gepflanzt werden, was gefällt und schmeckt. Klassiker wie Schnittlauch, Dill und Petersilie sind beliebt, ebenso wie Rucola, der in den vergangenen Jahren in Mode gekommen ist“, berichtet er.

Wer es auf dem Balkon lieber bunt haben möchte, könne auch hier wieder auf Klassiker wie Geranie oder Fuchsie zurückgreifen. Das lockt auch heimische Insekten wie Bienen an. „So ist das nicht nur etwas für das Auge, sondern man kann auch etwas für die Natur machen.“

Auch Gemüse im Eigenanbau sei in den vergangenen Jahren auf dem Vormarsch. „Die Leute haben keine Lust mehr auf langweilige Sorten aus dem Supermarkt“, bemerkt Bartz. Deshalb würden mehr und mehr Tomaten, Gurken und Paprika, aber auch Artischocken und Auberginen angepflanzt. Und auch an Erdbeeren gebe es viele Sorten, die im Balkonkasten wachsen oder hübsch in Ampeln herunter hängen. „So hat man im kleinen Naschgarten auch den optischen Wert“, betont der Gärtner.

Ich entscheide mich für Cherry-Tomaten, Basilikum und Erdbeeren in einem Balkonkasten und Minze, Kamille und Pflücksalat im anderen. Also: Flugs die kleine Schaufel in die Hand genommen und los geht es.

Welche Erde nehme ich?

Für viele Pflanzen gibt es Spezialerde, beispielsweise zur Anzucht. Darin sind zwar Nähstoffe für die kleinen Keimlinge enthalten, jedoch in geringen Mengen, „damit die Pflanze nicht gleich eine Kalorienbombe vor die Füße bekommt“, sagt Bartz und lacht. Für den Anfang habe ich dann auch erst einmal Anzuchterde gekauft.

Wann kann ich pflanzen?

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte die Eisheiligen bis zum 15. Mai abwarten, rät der Experte. „Auch wenn das eine Bauernregel ist, da ist etwas Wahres dran.“ Diese Regel gilt aber vor allem für den normalen Garten.

„Auf dem Balkon oder der Terrasse hat man die Möglichkeit, bei Frostgefahr die Pflanze reinzuholen“, sagt mir Bartz. Deshalb könne ich das Saatgut bereits vor den Eisheiligen aussäen. Gesagt – getan. Anfang Mai, als sich die ersten warmen Tage ankündigten, habe ich mich gleich ans Werk gemacht. Die Samen habe ich nur ganz leicht mit Erde bedeckt und erst einmal frisch gegossen.

Wie pflege ich meine Pflanzen?

Wichtig sei vor allem ein sonniger Standort für Kräuter, sagt Bartz. Mein Balkon zeigt in Westrichtung, also zumindest ab mittags haben meine Pflanzen viel Sonne – wenn sie sich denn Mal blicken lässt. Und auch die Erde dürfe nicht zu stark aufgedüngt sein. „Nicht denken: ‚Viel hilft viel‘. Besser regelmäßig düngen“, sagt der Gärtner. Auch da gebe es speziell abgestimmte Düngersorten. Das Gleiche gelte für die Wasserversorgung – bloß nicht zu nass.

Und damit meine Pflanzen nicht krank werden, empfiehlt Bartz mir noch ein Pflanzenstärkungsmittel, das wie ein Vitamin wirkt – wie eben beim Menschen auch: „Vorbeugend viele Vitamine zu essen ist ja besser, als mit Chemie gegen Krankheiten vorzugehen.“

Schon nach wenigen Tagen sprießen erste grüne Keimlinge beim Pflücksalat. Und auch die Kamille zeigt sich recht schnell. In einigen Wochen kann ich dann bestimmt meine ersten eigenen Kräuter, Obst und Gemüse auf dem Balkon ernten.