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Senioren-WG„Unter den Ebereschen“ Ganderkeseer Senioren bangen um ihr Zuhause

Von Thorsten Konkel | 09.12.2015, 21:27 Uhr

Kurz vor Weihnachten bangen die Bewohner der Einsiedel Seniorenwohngemeinschaften „Unter den Ebereschen“ in Ganderkesee um den Verbleib in ihren Appartements. Zum 31. Dezember 2015 hat der Pächter den Hochbetagten am Ebereschenweg 1 den Betreuungsvertrag gekündigt. „Wir hängen völlig in der Luft“, sagte Sigrid Klein am Mittwoch. Ihre Eltern holte die Delmenhorsterin vor eineinhalb Jahren aus Nordrhein-Westfalen an den Ebereschenweg.

Die Wohnanlage mit 48 Appartements, die bei ihrer Eröffnung im Mai 2012 von der Unternehmensgruppe Einsiedel & Partner Norddeutsches Kompetenzzentrum für Seniorenimmobilien GmbH als „Wohnen mit Hotelcharakter“ und „eine Alternative zum Pflegeheim für selbstbestimmtes Wohnen im Alter auch bei erhöhtem Pflegebedarf“ beworben wurde, versprach eine „24-Stunden-Betreuung mit Priorität in der Alltagsbegleitung“.

Angst um das Zuhause

Doch jetzt geht dort laut einer anderen Angehörigen bei den sechs noch verbliebenen Senioren und ihren Angehörigen „die Angst um das Zuhause“ um. Betroffen davon ist auch Sigrid Klein: „Wer wird dann für meine Eltern kochen, wer für sie putzen? Und an wen sollen wir überhaupt ab Januar Miete zahlen?“, fragt die Delmenhorsterin, nachdem Einsiedel zum Jahresende außer den Betreuungsverträgen mit den Bewohnern auch das Arbeitsverhältnis der Betreuungskräfte und aus wirtschaftlichen Gründen ebenfalls den Pachtvertrag mit der Eigentümergemeinschaft aufgekündigt hat.

Alles getan, um die Bewohner zu halten

Die Eigentümer der Appartements, die sich in die als Investorenmodell konzipierte Wohnanlage eingekauft hatten, sorge zwar das Schicksal der Senioren: „Zuständig sind die Eigentümer dafür aber nicht“, betonte Gerhard Lüllmann, Sprecher der Interessengemeinschaft der Eigentümer auf dk-Nachfrage. Einsiedel & Partner hatte damals mit den Kapitalgebern einen Pachtvertrag mit 25-jähriger Laufzeit geschlossen. Die jetzige Aufkündigung dieses Vertrages will die Eigentümergemeinschaft so nicht akzeptieren. „Wir bestehen auch weiterhin auf Erfüllung des Vertrages“, stellte Lüllmann klar und betonte, man habe alles getan, um die Bewohner zu halten. „Seitens der Interessengemeinschaft der Eigentümer gehen wir davon aus, dass Einsiedel für eine Weiterführung in unserem Sinne sorgt“, sagte er.

Hoffnung auf neuen Betreiber hat sich zerschlagen

Die zwischenzeitlich aufkeimende Hoffnung auf einen reibungslosen Übergang mit neuem Betreiber hatte sich kurzfristig zerschlagen: „Wir werden es nicht mehr machen“, erklärte Hans Schröder am Mittwochnachmittag. Schröder ist Geschäftsführer der Seniorenbetreuung Berne GmbH und der Seniorenbetreuung Ganderkesee GmbH, die das Berner Pflegeheim Kückens beziehungsweise das „Haus am Wald“ in Immer betreiben. Um die Seniorengemeinschaften mit erweitertem Konzept erhalten zu können, wollte Schröder im Erdgeschoss des Komplexes eine solitäre Kurzzeitpflege einrichten, um so das Wohnkonzept attraktiver zu machen. „Das rechnet sich aber nicht aufgrund der vom Landkreis gemachten Vorgaben und dem Angebot der Pflegekassen zu den Pflegesätzen“, sagte Schröder. Ausschlaggebend für Schröders Nein sei die zukünftige erwartete Auslastungsquote der Kurzzeitpflegeeinrichtung gewesen, erklärte er.

„Niemand wird auf der Straße sitzen“

Dafür, dass die Senioren nicht die Last der komplizierten Gemengelage tragen müssen, will Dieter Einsiedel jetzt persönlich sorgen. „Niemand wird auf der Straße sitzen, ich kümmere mich persönlich darum, dass es mittelfristig am Standort weiter geht und dass Betreuung, Essen und Notruf zur Verfügung stehen“, versprach er am Mittwochnachmittag auf dk-Nachfrage. Das gelte für die nächsten zwei bis drei Monate, versprach er.

Neue Übereinkunft denkbar

An diesem Donnerstag wolle er mit einigen der bereits entlassenen Betreuungskräften entsprechende Übergangsregelungen treffen. Wie die Seniorenanlage langfristig aus ihrer Schieflage gerettet werden könne, das sei auch Sache der Eigentümergemeinschaft, betonte Einsiedel. Entweder würden sie ein eigenes Konzept erarbeiten – oder man könne sich noch einmal miteinander an den Tisch setzen. „Und dabei eine neue Übereinkunft treffen, die den geänderten Rahmenbedingungen angepasst ist“, sagte Dieter Einsiedel am Mittwoch.