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Skepsis gegenüber aktiver Sterbehilfe Mediziner berichtet über „Sterbe- statt Tötungshilfe“ in Ganderkesee

11.11.2015, 16:50 Uhr

Rainer Prönneke informiert über Chancen bei der Begleitung Todkranker. Der Vortag beginnt am Freitag, 20. November, um 18 Uhr im Rathaus Ganderkesee.

Ganderkesee. Wer über Sterbehilfe spricht, sollte unbedingt um die Möglichkeiten der Palliativmedizin wissen. Das findet zumindest Dr. Rainer Prönneke, Chefarzt für innere und palliative Medizin am Marienstift in Braunschweig. Der Hospizkreis Ganderkesee hat Prönneke für Freitag, 20. November, ins Rathaus eingeladen. „Sterbe- statt Tötungshilfe“ lautet der vielsagende Titel des Vortrags, den der Mediziner dort ab 18 Uhr halten wird.

Thema Sterbehilfe ist von besonderer Brisanz

Das Thema ist dieser Tage von besonderer Brisanz, nicht zuletzt, weil der Deutsche Bundestag darüber beraten hat, wie der Gesetzgeber die Sterbehilfe in Deutschland künftig regeln will. Prönneke möchte in seinem Vortrag die Möglichkeiten der palliativen Versorgung todkranker Menschen erörtern, weil er glaubt, dass viele um elementare Optionen gar nicht wissen: etwa jener des künstlichen Schlafs, der den Patienten von seinem Leid befreie, ohne ihn zu töten.

Palliativmediziner steht Sterbehilfe skeptisch gegenüber

Prönneke steht der aktiven Sterbehilfe, wie sie in den Niederlanden, in Belgien und in Luxemburg praktiziert wird, mehr als skeptisch gegenüber. In Holland habe diese Regelung gar zu einem Dammbruch geführt, sagt er: Dritte hätten über das Leben anderer entschieden, etwa über jenes sehr schwer behinderter Menschen. Derlei lehnt er schon aus ethischen Gründen strikt ab. Allerdings befürwortet Prönneke auch nicht das Modell der sogenannten „ärztlichen Beihilfe zur Selbsthilfe“, wie es in fünf Bundesstaaten USA oder in der Schweiz praktiziert werde. Er gibt zu bedenken, dass auch viele Ärzte nicht gut über die Möglichkeiten der Palliativmedizin Bescheid wüssten - und daher auch nicht über geeignete Alternativen zur Linderung unerträglichen Leids. Gäbe es diese Alternativen nicht, beteuert er, hätte auch er eine „liberale“ Haltung zur Sterbehilfe.

Prönneke beschreiben rechtliche Grauzonen in Ganderkesee

In Ganderkesee möchte Prönneke das Thema anhand vierer konkreter Fälle erörtern. Dabei möchte er auch auf die Grauzonen im geltenden deutschen Recht eingehen, etwa die Frage erörtern, wo die Grenze zwischen der Beihilfe zum Suizid und aktiver – strafbarer – Sterbehilfe liegt.