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Sonnenheilstätte in Stenum Tuberkuloseerkrankte suchten Heilung im Waldidyll

Von Dirk Hamm | 11.06.2016, 13:00 Uhr

Am Rande des Stenumer Walds entstand 1925/26 eine Sonnenheilstätte für an Tuberkulose erkrankte Kinder. Daraus hat sich die Fachklinik für Orthopädie entwickelt.

Licht, Liebe, Leben – dieser von Johann Gottfried Herder geprägte Dreiklang dient seit vielen Jahrzehnten als Leitwort für die Arbeit in der Klinik in malerischer Umgebung am Rande des Stenumer Waldes. Heute als STENUM Ortho GmbH eine Fachklinik für Orthopädie, erlangte die medizinische Einrichtung vor 90 Jahren Bekanntheit in der Umgebung als „Sonnenheilstätte Stenum“. Mit einem Festakt soll am Donnerstag, 23. Juni, an die Inbetriebnahme der Heilstätte für Tuberkuloseerkrankte vor exakt neun Jahrzehnten erinnert und ihre Entwicklung zur heutigen, hoch spezialisierten orthopädischen Klinik gewürdigt werden.

Bauliche Entwicklung geht immer weiter

Für die Rückschau auf diese 90 Jahre steht eine Fülle an Dokumenten, Artikeln und Fotografien zur Verfügung, die archiviert wurden. Daniela Wolff, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Fachklinik, hat sich zuletzt in die Geschichte ihres Arbeitgebers vertieft: „Es war eine faszinierende Zeitreise, die ich über Wochen unternommen habe.“ Frucht dieser Arbeit soll ab August eine Fotoausstellung im Haus sein, kündigte Wolff an. Die Geschichte der Stenumer Institution ist eine Geschichte des stetigen Weiterentwickelns, sagt Wolff, und die baulichen Veränderungen und Erweiterungen gehen immer noch weiter: So wird gerade ein Blockheizkraftwerk gebaut, und ein neues Bettenhaus ist laut Wolff in Planung.

Initiatorin der Klinik in Logo verewigt

Vor fünf Jahren ist in das überarbeitete Logo der Klinik das Antlitz des „Engels von Stenum“ eingearbeitet worden: Hermine de Voß, deren christlich fundiertes Engagement zur Gründung der Sonnenheilstätte an diesem Ort führen sollte. Die Tochter eines begüterten, karitativ eingestellten Bremer Großkaufmanns hatte 1898 hier ein Sommerhaus erbauen lassen, um selbst in waldreicher Umgebung wieder gesund zu werden. Auch Bremer Diakonissen bot sie dort eine Erholungsmöglichkeit.

Vereinsgründung im November 1925

Anstoß für die Gründung der Heilstätte wurde der Wunsch der Kaufmannstochter, dass ihr Stenumer Besitz nach ihrem Tode für erholungsbedürftige Kinder genutzt werde. Nachdem de Voß 1923 verstorben war, wurde am 23. November 1925 der Verein Sonnenheilstätte Stenum gegründet. In Zusammenarbeit mit Bremer Ärzten und der Bremer Diakonissenanstalt wurde das Projekt im darauf folgenden Jahr in die Tat umgesetzt.

Patienten lagen bei jeder Witterung draußen

In den folgenden Jahrzehnten prägten junge Menschen, die auch bei Kälte auf den Balkonen und Terrassen des Gebäudekomplexes teils über Jahre Stunde um Stunde in Betten verbrachten, das Bild der Sonnenheilstätte. So gewährt eine Fotografie aus dem Jahr 1954 einen Blick in die zum Park offene „Backfisch-Halle“, die für die Teenager zugleich Unterrichtsraum war. Sowohl zu Therapiezwecken als auch zur Bekämpfung der Langeweile kam der Arzt Dr. Walter Ruthe auf die Idee, mit seinen jungen Patienten Puppen zu kreieren. Seine Puppenspiele wurden auch im Kleinen Haus aufgeführt und erregten sogar die Aufmerksamkeit des Fernsehens.