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„Sozialen Frieden nicht gefährden“ Flüchtlinge sollen nicht in Ganderkeseer Turnhallen

Von Thomas Breuer | 19.02.2016, 16:41 Uhr

Ganderkesees Bürgermeisterin sieht den sozialen Frieden gefährdet, sollte die Gemeinde weitere Turnhallen und öffentliche Gebäude für Flüchtlinge beanspruchen müssen. Sie setzt auf alle denkbaren Alternativen.

Was die weitere Unterbringung von Flüchtlingen in der Gemeinde Ganderkesee angeht, positioniert sich Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas eindeutig: „Es gefährdet den sozialen Frieden, wenn wir weitere Turnhallen und öffentliche Gebäude in Anspruch nehmen.“ Gesagt hat sie das am Donnerstagabend in ihrer Eigenschaft als Verwaltungschefin auf der Jahreshauptversammlung des Ortsvereins Hoykenkamp im Gasthof Menkens.

Dort kam die Botschaft, dass damit beispielsweise keine vorübergehende Auszeit in der Sporthalle in Heide droht, gut an. Gerken-Klaas sagte zum Verzicht der Inanspruchnahme weiterer öffentlicher Gebäude aber auch: „Wie lange wir das aushalten, wissen wir nicht.“

Die Bürgermeisterin machte vor knapp 40 Mitgliedern des Ortsvereins deutlich, dass die Aufgaben bei der Aufnahme von Flüchtlingen noch immens seien. Nach ihren Worten leben aktuell 413 Flüchtlinge in Ganderkesee, die meisten davon (181) aus Syrien. Auf den Plätzen folgen Albanien (83), der Irak (76), Afghanistan und der Kosovo (jeweils 12), der Sudan (11) sowie weitere Nationen mit teilweise nur einer Person. Laut aktueller Zuweisungsquote wird Ganderkesee bis Ende März noch 176 weitere Menschen aufnehmen müssen.

Bislang nur drei größere Notunterkünfte

Die meisten Flüchtlinge konnten bislang in Wohnungen einquartiert werden. Als große Notunterkünfte hergerichtet wurden die Turnhalle am Habbrügger Weg, wo 30 Albaner leben, sowie die derzeit mit 65 Personen belegte Mobilbauhalle im Stadion und die Mobilbauhalle in Bookholzberg, in die am Donnerstag erstmals Flüchtlinge eingezogen sind – 19 Menschen aus dem Irak. In der Bookholzberger Halle könnten laut Gerken-Klaas vorübergehend bis zu 100 Personen unterkommen.

Die Verteilung der Zugewanderten auf die 25 Bauerschaften der Gemeinde ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Im Ort Ganderkesee mit seinen gut 9500 Einwohnern leben derzeit 198 Flüchtlinge, in Bookholzberg kommen auf gut 5100 Einwohner 62 Flüchtlinge. Während etwa Schönemoor mit 447 Einwohnern bereits 19 Flüchtlinge beherbergt, ist derzeit im 1200 Einwohner starken Hoykenkamp kein einziger von ihnen zuhause. Auf Heide mit seinen mehr als 3700 Einwohnern kommen gerade einmal 17 Flüchtlinge.

Händeringende Suche nach Wohnraum

Die sehr unterschiedliche Verteilung resultiert laut Gerken-Klaas aus der je nach Bauerschaft sehr unterschiedlichen Verfügbarkeit von Wohnraum. „Wir suchen händeringend nach Wohnungen im Nordbereich“, sagt sie. Es sei der Wunsch der Verantwortlichen, die Flüchtlinge breit über die Gemeinde zu verteilen. „Das hat auch etwas mit Gerechtigkeit zu tun“, so Gerken-Klaas.

So würde unter anderem über leer stehende Gewerbeimmobilien nachgedacht. Den Hoykenkampern sagte die Bürgermeisterin: „Es gibt in diesem Bereich noch nichts, was spruchreif ist.“ Doch die Suche beschränke sich nicht allein auf bestehende Immobilien. Genauso schaue die Gemeinde nach Grundstücken, auf denen im Schnellverfahren Häuser in Holzrahmenbauweise entstehen könnten.

„Gute Erfahrungen mit den Flüchtlingen gemacht“

„Wir versuchen definitiv, die Turnhallen freizuhalten“, beteuerte die Bürgermeisterin wiederholt als Gast des Ortsvereins. Und sie bemühte sich, weiteren Ängsten vorzubauen: „Wir haben viele gute Erfahrungen mit unseren Flüchtlingen in der Gemeinde gemacht.“