Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Spenden für Elterninitiative Kinderkrebs trifft ganze Familie

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 23.12.2016, 19:56 Uhr

Eltern verhindern, dass bei Kinderkrebs-Diagnose Familien aus der Bahn geworfen werden. Das Klinikum in Oldenburg und die Selbsthilfe werden unterstützt.

Pia Winter eröffnet das Gespräch über Krebs bei Kindern mit einer guten Nachricht: „Eine Krebs-Diagnose ist fürchterlich, aber die Heilungschancen sind sehr hoch.“ Dank der in Deutschland hervorragenden medizinische Versorgung werden Winter zufolge 90 Prozent der Erkrankungen geheilt, „nur bei Gehirntumoren ist es schwierig.“

Elterninitiative unterstützt die Profis

Trotz hoher Qualität ihrer Arbeit benötigen die Profis in den Krankenhäusern ehrenamtliche Unterstützung. „In unserem Gesundheitssystem werden viele Arbeiten an Vereine abgegeben“, berichtet Winter. Da hakt die Elterninitiative krebskranker Kinder Oldenburg ein, deren Geschäfte die Sandkrugerin führt. „Es geht nicht nur um den Körper, es geht auch um die Seele“, sagt Winter. Der Verein sorgt dafür, dass in der Kinderonkologie des Klinikums Oldenburg zusätzliche pflegerische, seelsorgerische und therapeutische Zuwendung geboten werden kann. „Wir finanzieren eineinhalb Schwestern, eine heilpädagogische und eine physiotherapeutische Kraft“, berichtet Winter.

Ganze Familie im Blick

Der Verein hat die ganze Familie im Blick, auch über den Entlassungstag aus dem Krankenhaus hinaus. „Krebs bei Kindern erzeugt Dauerdruck“, weiß die Sprecherin der Elterninitiative: in der akuten Phase Bangen ums Überleben, hinterher ständig die Furcht vor der Rückkehr des Krebses. „Bei Erwachsenen geht es vielleicht um zehn Jahre, bei Kindern um das ganze Leben“, erläutert Winter. Eltern werden zur Selbsthilfe angeregt. So tauschen Väter in Oldenburg regelmäßig an einem Stammtisch Erfahrungen aus, sie fahren gemeinsam Draisine oder sie erklimmen eine Windkraftanlage. Es gibt ein Team Ehrenamtlicher, das im Krankenhausalltag aktiv ist und bei passenden Gelegenheiten an einem Stand über die Arbeit der Initiative informiert.

Aufmerksamkeit fürs Geschwisterkind

„Geschwisterkinder dürfen nicht übersehen werden“, betont Winter. Die familiäre Situation könne sich fürs Geschwisterkind dramatisch verändern: Die Eltern zeigen vorher nicht gekannte Stimmungsschwankungen. Die Aufmerksamkeit konzentriert sich aufs erkrankte Kind, allein dieses wird von Verwandten beschenkt. „Schuldgefühle können die Folge sein, große Ängste, Zurückstecken, weil die Eltern nicht noch stärker auf dem Zahnfleisch gehen sollen“, erläutert Winter. Deshalb gibt es gezielte Angebote für die Kinder. Einmal im Monat gibt es ein therapeutisch begleitetes Geschwistertreffen, darüber hinaus viermal pro Jahr Wochenenden zu bestimmten Themen, zum Beispiel mit kunsttherapeutischen Angeboten oder Rollenspielen fürs Zurechtfinden in der neuen Situation. „Vieles regeln die Kinder unter sich“, weiß Winter.

Spender hoffen auf Nachahmer

Über ein Elterntreffen in der Schule sind Nicole Urban-Sprock und Thomas Sprock, die Geschäftsführer der Urban Fütterungstechnik, auf die Elterninitiative aufmerksam geworden. Sie haben Helmut Urban, den Chef der Landtage Nord, mitgezogen. So landen jetzt jeweils 500 Euro Spende auf dem Konto der Elterninitiative. „Unsere Geschäftspartner wissen schon, dass wir lieber für die gute Sache spenden, als vielleicht nutzlose Weihnachtsgeschenke zu verschicken“, erklärt Helmut Urban. „Wir hoffen auf Spender, die es uns nachtun“, ergänzt Thomas Sprock.