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„Stedingsehre“ in Bookholzberg Raum für Nazi-Geschirr, Fotos und alte Dokumente gesucht

Von Thomas Deeken | 05.08.2015, 08:53 Uhr

Die Mitglieder des Arbeitskreises „Stedingsehre“ wollen schnellstmöglich damit loslegen, Dokumente und Fotos aus der Nazizeit zu ordnen und zu archivieren. Dafür suchen sie dringend einen Raum. Das gewünschte Informations- und Dokumentationszentrum im Spieldorf in Bookholzberg ist unterdessen erneut auf die lange Bank geschoben worden.

Die Hiobsbotschaft, dass die Einrichtung eines Informations- und Dokumentationszentrums für die geschichtliche Aufarbeitung der ehemaligen Nazi-Kultstätte „Stedingsehre“ in Bookholzberg erneut auf die lange Bank geschoben wird, hat Lisa Dirks relativ locker weggesteckt. „Uns ist schon seit längerer Zeit klar, dass wegen der Sanierungsarbeiten mehrerer Werkstatthallen das Spieldorf noch nicht frei ist“, sagt die Sprecherin des Arbeitskreises „GeschichtsOrt Stedingsehre“. Trotzdem wollen die etwa 20 Mitglieder des Arbeitskreises so schnell wie möglich mit den Arbeiten loslegen. „Es wäre wunderbar, wenn wir schon jetzt einen Raum kriegen können, in dem wir alles ordnen und archivieren können“, so die Hohenbökenerin. „Es muss ja zunächst nicht unbedingt im Spieldorf sein.“

Geschirr mit Schriftzug „Stedingsehre“

Seit Jahren werde eifrig gesammelt: zum Beispiel alte Dokumente, Zeitungsartikel, Fotoalben sowie Auflagen von Bänken und Stühlen, die vor der Freilichtbühne standen. Außerdem wurden Lisa Dirks und anderen Arbeitskreis-Mitgliedern Cromargan-Geschirr aus der damaligen Nazizeit zur Verfügung gestellt. Dass diese Töpfe und Terrinen tatsächlich für Bookholzberg gedacht waren, beweist der Schriftzug „Stedingsehre“ auf dem Geschirr. Diese Utensilien sind derzeit überall verstreut. Sie stehen verpackt in Kartons bei mehreren Arbeitskreis-Mitgliedern.

„Geschichtsort“ und „Lernort“

„Wir benötigen entweder einen großen Raum oder zwei mittlere Räume sowie einen Archivraum“, erläutert Professor Lutz Walk, ebenfalls Mitglied des Arbeitskreises. Dort müsse es die Möglichkeit geben, am PC zu arbeiten, kurze Filme und Tondokumente zu präsentieren sowie Geschirr, Fotos und Schriften zu zeigen. „Wir möchten alles so gestalten, dass es bei unserer Präsentation nicht langweilig wird“, sagt Walk, der „möglichst ein inter-aktives Konzept“ ansteuert. Das Dokumentationszentrum soll dann nicht nur „Geschichtsort“, sondern auch“Lernort“ werden – „um zu zeigen, wie es die Nazis damals geschafft haben, die Menschen mit Hilfe der Kunst zu verführen“, so Walk.

„Für Ältere keine gute Perspektive“

Im Gegensatz zur Sprecherin des Arbeitskreises befürchtet der Huder, dass die Energie der Mitglieder des Arbeitskreises nachlässt. Viele hätten sich bereits zurückgezogen, einige seien krank geworden oder inzwischen sogar gestorben. Darüber hinaus glaubt er, dass „das Verstreutsein der Dokumente in ein Verlierengehen“ übergehen könnte. Deshalb sei es zwingend notwendig, schnellstmöglich Räume in unmittelbarer Nähe von „Stedingsehre“ zu finden. Dass es möglicherweise frühestens im dritten Quartal des nächsten Jahres losgehen könne, sei gerade für Ältere keine gute Perspektive, meint Walk, der beim Thema „Stedingsehre“ auch ein größeres Engagement seitens der Verwaltung vermisst. Sein Kommentar: „In der Gemeindespitze ist keiner da, der sich so richtig stark macht.“

Spieldorf steht vorerst nicht zur Verfügung

Wenig Hoffnungen machen auch die Aussagen von Jörg Barlsen, Geschäftsführer des Berufsförderungswerks, auf dessen Areal das Spieldorf liegt. Weil – wie berichtet – in den Werkstatthallen Schadstoffe wie Polychlorierte Biphenyle (PCB) und Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden wurden, müssen die Räume erst einmal saniert werden. Voraussichtlicht Mitte nächsten Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Bis dahin werde das Spieldorf noch genutzt, so Barlsen. Außerdem erklärte er gegenüber dem dk: „Parallel schauen wir uns nach einem Nutzungskonzept fürs Spieldorf um.“

Lisa Dirks bleibt zuversichtlich

Lisa Dirks bleibt trotzdem zuversichtlich. Sie baue auf die Mitglieder des Arbeitskreises, zu denen nicht nur ältere Menschen, sondern auch junge Leute von der Uni Oldenburg zählen, die sich regelmäßig treffen würden. „Wir sind voller Hoffnung, dass das Dokumentationszentrum auch kommt. Wir geben nicht auf und machen weiter“, versichert die Hohenbökenerin.