Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Stenum Ortho GmbH plant Millioneninvestition Stenumer Fachklinik setzt auf neues Bettenhaus

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 30.03.2016, 19:04 Uhr

Die Stenum Ortho GmbH, Betreiberin der Stenumer Fachklinik für Orthopädie, will sich mit grundlegenden Modernisierungen und einem Bettenhausneubau zukunftssicher positionieren. Das rund 6,5 Millionen Euro teure Vorhaben könnte bereits im Frühjahr 2017 beginnen.

Von einem vereinsgeführten Haus zur Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) hat die Stenum Ortho Fachklinik für Orhopädie seit ihrer Insolvenz 2012 einen radikalen Strukturwandel erlebt. Im Jahr vier nach der Insolvenz schreibt das Stenumer Krankenhaus längst wieder schwarze Zahlen, berichtete der Ärztliche Leiter der Klinik, Dr. Karsten Ritter-Lang, gestern im Gespräch mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag und dem SPD-Landtagsabgeordneten Axel Brammer.

Das belege der für Mitte April angekündigte Jahresabschluss des Geschäftsjahres 2015. Rund eine Million Euro wurden außerdem in den letzten drei Geschäftsjahren unter neuer Leitung in die Modernisierung gesteckt.

Jetzt will die Klinik ihr Zukunftssicherungsprogramm noch einmal erheblich aufstocken, kündigte der Ärztliche Leiter anlässlich des Politikerbesuchs an.

Kritik am Gesundheitssystem

Dabei übte Ritter-Lang deutliche Kritik an der Förderpraxis des Landes Niedersachsen sowie am schleichenden Rückzug aus dem System der dualen Finanzierung dieser Form der öffentlichen Daseinsvorsorge zugunsten börsennotierter und renditeorientierter Kliniken in Privatbesitz. Mit ihrer Marktmacht setzten diese Großkonzerne kleinere Anbieter der Gesundheitsindustrie zusehends unter Kostendruck.

Geld nur für Abbau von Betten

Geld gebe es vom Land Niedersachsen derzeit überwiegend nur noch für den Abbau von Gesundheitsstrukturen, etwa so wie in Delmenhorst für den Zusammenschluss der beiden bestehenden Krankenhäuser. Nicht aber für die Modernisierung etablierter Häuser, was einen absehbaren Investitionsstau erzeugen werde.

„Wir haben beim Land bereits 2012 einen Förderantrag für ein neues Bettenhaus gestellt, noch immer haben wir keinen Bescheid“, sagte Ritter-Lang.

Neubau auch ohne Landesmittel möglich

Die Stenum Ortho GmbH strebe nun andere Finanzierungswege an. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus sei auch eine Realisierung des etwa 6,5 Millionen Euro teuren Projektes mit zwei neuen Stationen über Bankkredite möglich, erläuterte Ritter-Lang. „Wir könnten den Bau bereits im Frühjahr 2017 aufnehmen, die Bauzeit betrüge wohl eineinhalb Jahre“, blickte er voraus.

Noch vor dem Großprojekt zur Zukunftssicherung setzen die Verantwortlichen eine ganze Reihe von Modernisierungen um – oder haben sie bereits vollbracht: „Der alte OP ist aufgeteilt und umgebaut worden in einen Reinraum für die Schmerztherapie und einen neuen Röntgenraum“, nannte die Verwaltungsleiterin Susanne Langfeld den Fortschritt.

Neue Röntgenanlage kommt

Bereits am 2. Mai werde dort eine neue digitale Röntgenanlage das 28 Jahre alte Röntgengerät ablösen. Auch das Labor, ein EKG-Raum und neue Büros entstehen im Zuge der Bauarbeiten mit dem Ziel, Wege und Abläufe in der Klinik zu optimieren. Ein eigenes Blockheizkraftwerk soll ab Herbst die Stromkosten senken. Ein Abbau von Pflegekräften durch die neuen Strukturen und die Auslagerung von Dienstleistungen solle „natürlich“ durch das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern erfolgen, erläuterte der Ärztliche Leiter. „Die Pflege soll sich wieder um die Menschen kümmern“, beschrieb er die Konzentration auf das Wesentliche. Auch das Hygienemanagement sei im Zuge eines Zertifizierungsverfahrens optimiert worden, betonte der Mediziner.

Nach seinen Angaben werden in Stenum jährlich rund 1700 stationäre und 240 ambulante Operationen durchgeführt. Das Auslandsgeschäft mache demnach etwa fünf Prozent aus. Die Patienten stammten überwiegend aus Nordamerika, die Zahl an Mittelamerikaner steige an.