Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Strafzölle auf Stahl und Alu Ganderkeseer Unternehmen besorgt wegen Handelstreits

Von Marie Busse | 09.06.2018, 12:26 Uhr

Im Handelsstreit mit den USA traten am 1. Juni Zölle auf Stahl und Aluminium in Kraft. Örtliche Unternehmen beobachten die Entwicklungen mit Sorge, weil die USA ein wichtiger Markt sind.

Nach langem Hin und Her sind die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium am 1. Juni in Kraft getreten. Noch sind Unternehmen in der Region nicht betroffen, sie beobachten die Entwicklungen aber mit Sorge.

Größter Einzelmarkt von Palfinger

„Die Vereinigten Staaten sind unser größter Einzelmarkt und der Markt wächst“, berichtet Christian Jonas von Palfinger. „Wir exportieren zwar verarbeitetes Aluminium. Wenn die Zölle ausgeweitet werden, könnte das aber auch uns treffen.“ Dann müsste das Material in den Vereinigten Staaten beschafft werden. Das Unternehmen beobachte die Verhängung der Zölle daher mit Argwohn. „Wir erwarten von der Politik, dass sie schnell Lösungen für die Unternehmen finden“, fordert Jonas. Der Geschäftsführer der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer Felix Jahn bestätigt, dass die Verunsicherung über den außenpolitischen Kurs der USA wächst. Jahn betont: „Sollte es zu einer Ausweitung der Zölle auf andere Produkte wie beispielsweise Autos kommen, würde sich das auch merkbar auf Betriebe im Oldenburger Land auswirken.“ Auch der Ganderkeseer Baumaschinenhersteller Atlas beobachtet die Entwicklungen genau, weil die USA ein wichtiger Absatzmarkt sind. „Es ist nicht abzusehen, wie der europäische Markt auf die Zölle reagiert. Der Streit könnte sich hochschaukeln und das könnte viele Branchen treffen“, sagt Sebastian Schneider. Bislang seien aber noch keine Auswirkungen spürbar.

Unternehmen fordernPolitik zum Handeln aufDer Stahlrohrhersteller Starofit verdient zwar auch die Hälfte seines Geldes im Ausland, aber die Vereinigten Staaten gehören nicht dazu. „Der günstige Stahl aus Asien, der jetzt nicht in die USA geht, könnte durch die Zölle den europäischen Markt schwemmen. Europa müsste sich dann wieder mit Zöllen schützen“, stellt Geschäftsführer Kai Beecken klar, „es kann keine Gewinner bei diesem Handelsstreit geben.“

IHK-Geschäftsführer Felix Jahn fordert daher ein entschlossenes Vorgehen der Politik: „Eine weitere Eskalation dieses Zollstreits muss unbedingt vermieden werden. Eine Klage der EU bei der Welthandelsorganisation (WTO) mit anderen betroffenen Staaten ist richtig.“

Die Europäische Union strebt zudem Gegenzölle auf US-Waren an. Ab Juli könnten Sonderabgaben auf Whiskey, Erdnussbutter, Jeans und Motorräder fällig werden. Für die Bekleidungsgeschäfte in der Gemeinde kein Problem: Sie verkaufen keine amerikanischen Fabrikate.