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Streit um Haus der Begegnung Millionenspende für Kulturhaus spaltet Dötlingen

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 29.09.2017, 17:05 Uhr

Ein Glücksfall für Dötlingen ist zum Streitfall geworden. Es winkt eine 1,5-Millionen-Spende für ein Haus der Begegnung, doch Bürger stellen sich quer.

376 Unterschriften bezeugen, dass beileibe nicht alle Dötlinger begeistert sind von dem Plan, den als „Golddorf“ ausgezeichneten Ort Dötlingen um ein neues Haus der Kultur und Begegnung zu bereichern. Die Unterschriften hat die Bürgerinitiative „Aktive Bürgerbeteiligung Jetzt“ gesammelt. Für die Initiative sprechen viele Gründe gegen den Neubau möglichst nah der Dötlinger Ortsmitte. Für Bürgermeister Ralf Spille ist das Projekt eher „ein Leuchtturm“: „Ich hätte nie gedacht, dass dabei so ein Streit herauskommt“, sagt er im Rückblick auf Schlichtungsgespräche und auf Wortbeiträge in der Bürgerfragestunde der Ratssitzung am Donnerstagabend.

Vielfältige Aktivitäten möglich

Die Dötlingen-Stiftung präsentiert schon ein Modell des Hauses der Begegnung: Unter flach geneigtem achteckigen Dach sollen erwachsenem Publikum im Erdgeschoss auf 370 Quadratmetern Grundfläche Konzerte, Kleinkunst, Lesungen oder Theatergastspiele geboten werden. Seminare sind denkbar. Kinder können Mal- und Lesewettbewerbe austragen oder im Rahmen von Konzerten der Kreismusikschule zu den Instrumenten greifen. Schulen können hier besondere Veranstaltungen gestalten. Im Keller, erreichbar mit einem Fahrstuhl, gibt es auf 170 Quadratmetern Platz für Sanitärräume und ein Lager für Ausstellungsstücke aus dem Besitz der Bürgerstiftung.

Spende über 1,5 Millionen Euro

Der seit Jahrzehnten in Dötlingen lebende Geschäftsmann Detlef Knechtel hat der Bürgerstiftung für ein solches Haus der Kultur und Begegnung eine Spende von 1,5 Millionen Euro avisiert. Der Gemeinderat hat beschlossen, dass das Grundstück kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Die Rechnungen für die Planung und den Betrieb sollen mit dem Geld der Spende beglichen werden.

Widerständige Bürger

Die widerständigen Bürger stellen infrage, ob Dötlingen eine solche Einrichtung benötigt. Sie fürchten, dass die Gemeinde zum Zahlmeister wird, wenn der Stiftung finanziell die Puste ausgeht. Sie fragen, ob die Architektur in das ländlich geprägte Golddorf passt und allerlei mehr. Besonders haben sie den bisher favorisierten Standort im Visier. Es geht um den Dorfgarten, der von Exxon Mobil vor 17 Jahren als Ausgleich für den Bau einer Betriebsstätte angelegt worden ist. Er ist inzwischen zu einem Schmuckstück mit Biotop, Blühpflanzenfläche, Obstbäumen und Feldgehölzen, einem Boule-Platz, Sitzbänken und einem halb offenen Pavillon zum Verweilen bei schlechtem Wetter ausgewachsen. „Es ist schwierig, alle Argumente unter einen Hut zu bringen“, resümiert Bürgermeister Spille.

Bewegung in Standortfrage

Mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis ist abgeklärt, dass ein Teil des Dorfgartens preisgegeben werden kann, wenn es andernorts einen ökologischen Ausgleich gibt. Dennoch spitzt sich die Diskussion Spille zufolge auf die Standortfrage zu. „Es zeichnet sich ab, dass die Politik umschwenkt und einen Teil des Ausweichparkplatzes nutzen will“, berichtet der Bürgermeister. Der große Parkplatz grenzt direkt an den Dorfgarten. „Die Bürger kommen zu Wort, wenn die Bauleitplanung vorangetrieben wird“, erklärt er.