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Streit um Rossmann in Hude Gemeinderat setzt in Hude auf Zugpferd Rossmann

Von Reiner Haase | 18.12.2015, 16:07 Uhr

Sechs Leerstände in Geschäftshäusern an der Parkstraße beunruhigen die Ratspolitik. Der geplante Rossmann-Neubau soll eine Wende zum Besseren einleiten. Die Gestaltung ist umstritten.

Am Mittwoch standen fünf Geschäfte an der Huder Einkaufsmeile Parkstraße leer, seit Donnerstag sind es sechs. Für Bürgermeister Holger Lebedinzew ist das ein Alarmzeichen und Anlass, sich mit Elan für die Neubaupläne für einen Drogeriemarkt ins Zeug zu legen. Dass für die Pläne der Investoren die Häuser Parkstraße 31, 33 und 35 plattgemacht werden sollen, die das Gesicht der Parkstraße über 100 Jahre lang mitgeprägt haben, nimmt er in Kauf. „Wir brauchen den Frequenzbringer Rossmann. Das sagen auch die Geschäftsleute“, so Lebedinzew am Donnerstagabend im Gemeinderat.

Nein-Stimmen und Enthaltungen

Die Mehrzahl der Ratspolitiker teilt des Bürgermeisters Überzeugung und nahm die Planung „zustimmend zur Kenntnis“. CDU-Ratsherr Wilfried Siems trat entschieden auf: „Wir müssen ganz schnell Ja sagen, bevor wir die Parkstraße als Straße der Leerstände haben.“ Von den Grünen und der SPD gab es allerdings auch fünf Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen. „Ein Hallen-Schlichtbau mit Giebel-Attrappen passt hier nicht hin“, betonte der Grüne Michael Grashorn, „das sollten wir uns nicht antun.“ Seine Fraktionskollegin Karin Rohde wies darauf hin, dass mit den alten Geschäftshäusern auch Wohnraum verschwindet. Für Luciano Leßmann (SPD), der zum Auftakt der Sitzung als Nachrücker für Nico Rettcher verpflichtet worden war, entwickelt sich die Ortsmitte mit dem Neubau „zum erweiterten Gewerbegebiet“.

Kompromiss überzeugt Mehrheit

„Der Bereich wird an Charme verlieren“, sagte Ulrike Janz-Janzen (SPD) voraus. Sie räumte ein, dass die Investoren in der vergangenen Woche in der zweiten Runde im Ausschuss für Gemeindeentwicklung einen verbesserten Entwurf vorgelegt haben. „Das ist aber nicht das, was wir gewollt haben“, stellte sie mit Blick darauf fest, dass die anfangs betont schlicht gehaltene Halle nun ein nach vorne hin steileres Dach mit eingebauten Giebeln und eine aufgelockerte Fassade entlang der Parkstraße mit Vor- und Rücksprüngen im Mauerwerk erhalten soll. Bernhard Wolff (CDU), der Vorsitzenden des Ausschusses für Gemeindeentwicklung, formulierte die Mehrheitsmeinung: „Das Erscheinungsbild der Parkstraße wird sich verändern, aber das wird ein hinnehmbarer Kompromiss.“ Friedrich Schnabel (CDU) erinnerte an das Angebot der Investoren, Ratsmitglieder mitreden zu lassen, wenn es um die Feinplanung der Fassadengestaltung geht.

Angst vor Hunterhof-Atmosphäre

Die SPD richtete den Blick auch in die Zukunft. Fraktionschef Aschenbeck mahnte, der Rat müsse aufpassen, dass hinter dem Neubau keine Hinterhof-Atmosphäre entstehe. „Das, was wir an der verlängerten Dr.-Gustav-Thye-Straße geplant hatten, ist jetzt überholt“, ergänzte Janz-Janzen.