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Streit um Vergütung bei 380-kV-Leitung Bald „Bauernmaut“ für Stromdurchleitung in Ganderkesee?

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 18.10.2017, 11:18 Uhr

Ganderkesee/Landkreis Oldenburg. Ernteeinbußen und Wertverluste drohen, wenn Stromleitungen durch Agrarflächen führen, sagt das Landvolk. Von der Wertschöpfung des Netzbetreibers Tennet wollen die Landwirte über Pachtzahlungen profitieren.

Groß war der Widerstand in der Region gegen die 380-kV-Höchstspannungsleitung von Ganderkesee nach St. Hülfe, geholfen hat er den betroffenen Grundstückseigentümern bis auf kleinere Korrekturen nicht. Anfang April hatte in Leipzig das Bundesverwaltungsgericht sämtliche anhängigen Klagen gegen die Planfeststellung der Genehmigungsbehörde abgewiesen und damit den geplanten Streckenverlauf zementiert. Noch im Dezember soll Baustart sein, das kündigt Bauherr und Netzbetreiber Tennet voller Optimismus an.

Denn die Grundstückseigentümer und mit ihnen die lokalen Bauernverbände geben nicht auf.

Es geht ums Geld

Diesmal geht es jedoch in erster Linie ums Geld: Stein des Anstoßes bleiben die Höhe und die Art der Vergütung, die von Tennet zu zahlen ist.

Wertminderung und Ertragsverluste befürchtet

Grund: Weil die 380-kV-Trasse überwiegend durch oder über landwirtschaftlich genutzte Flächen geführt werden soll, befürchten die Landvolkverbände Oldenburg, Mittelweser und Diepholz bei der Durchleitung neben einer deutlichen Wertminderung der Äcker auch Ertragsverluste über Jahrzehnte. Bisher bekommen die Grundstückseigentümer für Stromdurchleitungen über Freileitungen oder Erdkabel lediglich eine Einmalentschädigung.

 „Wir fordern regelmäßig wiederkehrende Entschädigungen“, bekräftigt Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreislandvolks Oldenburg, die Linie, die bundesweit der Deutsche Bauernverband (DBV) vorgegeben hat.

„Wer fremden Grund und Boden nutzt und damit erheblichen Ertrag erwirtschaftet, muss auch diejenigen daran teilhaben lassen, die diese Möglichkeit erst mit ihrem Eigentum eröffnen und letztendlich sogar zulassen müssen“, fordert der Bundesverbands in seiner Studie zur Entschädigung beim Stromnetzausbau. „Eine solche Durchleitungsgebühr wäre nur gerecht“, meint auch Rainer Bücking vom Vorstand des Ortslandvolks in Ganderkesee. Auch über Bückings Felder am Fahrener Weg erstreckt sich eine Höchstspannungsleitung, die allerdings schon in den 1980er Jahren errichtet wurde.

Bücking: „Schon damals gab es nur eine Einmalzahlung, was wir heute für nicht mehr angemessen halten.“

Boden nimmt langfristigen Schaden durch Leitungsbau

Insbesondere bei der Erdverkabelung seien die Auswirkungen auf die Erträge durch den Bodenaushub, die dadurch geänderte Wasserführung und eine Kabelerwärmung über Jahrzehnte immens.

Eine Beteiligung der Landwirte an der mit der Stromdurchleitung zusammenhängenden Wertschöpfungskette über eine solche „Bauernmaut“ würde jedoch die Netzentgelte treiben. Und so letztlich auch den vom Endverbraucher zu zahlenden Strompreis.

Landvolk: Strompreise würden nur gering steigen

Das räumt auch Wolff ein, betont aber, dass die Belastung laut einer Modellrechnung des DBV nur gering wäre. Die Energiewirtschaft lehnt jede Beteiligung der Bauern an der mit der Stromdurchleitung verbundenen Wertschöpfungskette vehement ab. „Die Positionen bei diesem Thema stehen sich unversöhnlich gegenüber“, stellt Wolff den aktuellen Stand der Gespräche vor Ort dar.

„Verhandlungen mit den Landvolkverbänden Oldenburg und Diepholz haben leider zu keiner Einigung geführt“, beschreibt Tennet-Pressesprecher Mathias Fischer die verhärteten Fronten. Der Netzbetreiber hatte den Landvolkverbänden zuletzt Anfang September einseitig durch Tennet unterzeichnete Rahmenangebote zugesandt.

Kreislandvolk: „Keine Verträge unterzeichnen“

Das Kreislandvolk rät derweil weiterhin allen Grundstückseigentümern, keine Verträge mit Tennet abzuschließen. Tennet will jetzt im Anschluss an die für November geplanten „Infomärkte“, die im Vorfeld des Baubeginns entlang der Trasse durchgeführt werden sollen, direkt auf die betroffenen Eigentümer und Nutzungsberechtigten zugehen.