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Suchtkranke im Landkreis Oldenburg Aus der Sucht möglichst nahtlos in den Job

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 06.07.2016, 10:51 Uhr

Ahlhorn/Landkreis Oldenburg. Die Suchtklinik in Ahlhorn und die Job-Center wollen junge Leute leichter ins Erwerbsleben führen. Geregelt sind frühe Kontakte für Angebote nach Maß.

Ins Job-Center in Bookholzberg, Sandkrug oder im Kreishaus kommt ein bekanntes Gesicht, wenn ein junger Suchtkranker nach der Therapie in der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn eine Arbeit sucht, die seinem Tag Sinn und Struktur gibt. Die Diakonie Oldenburg als Träger der Fachklinik Sucht und der Landkreis Oldenburg als Träger der Job-Center haben dem Übergang aus der Therapie ins Berufs- und Erwerbsleben jetzt eine vertraglich klar geregelte Struktur gegeben.

Frühzeitiger Kontakt zu Vermittlern

Zu den Vertragsbestandteilen gehört, dass der Patient schon während der Therapie persönlichen Kontakt zum Job-Center bekommt und dass die Fachkräfte der Klinik ergänzende Auskünfte über die Persönlichkeit des Jobsuchenden übermitteln, soweit dieser sie von der Schweigepflicht entbunden hat. So können mit den jungen Leuten maßgeschneiderte Konzepte für die weitere Förderung entwickelt werden, sei es eine Einstiegsqualifizierung, eine Arbeitsgelegenheit oder gar ein Arbeitsplatz. „Mit dem Vertrag schaffen wir kurze Wege und eine schnelle Verbindung“, sagt Jürgen Schlieckau, der pädagogische Leiter der Fachklinik. „Je größer die Lücke, desto größer die Gefahr eines Rückfalls in die Sucht“, weiß Sabine Behrens, Leiterin der Arbeitsmarktintegration beim Landkreis.

Jeder fünfte Jugendliche vorbelastet

Peter Thon, Teamleiter des Jobcenters Sandkrug, berichtet, dass bei jedem fünften Jugendlichen Vorbelastungen wie Essstörungen, Bewegungsmangel und Suchtverhalten den Einstieg ins Berufsleben beeinträchtigen. In die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik mit 48 Therapieplätzen kommen Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 25 Jahren, die schon harte, teils lebenslange Suchtkarrieren in häufig vorbelasteten Familien durchlaufen haben, sich aber nun gegenüber der Klinik vertraglich verpflichten, den Ausstieg aus der Sucht ernsthaft zu suchen. Die Therapie dauert vier, geht es nach Schlieckau, möglichst häufig auch sechs Monate. Arbeitstherapie, teils in Betrieben in der Umgebung, gehöre zum Konzept der Klinik, betont Schliekau. Die fürs Erwerbsleben grundlegenden Tugenden Pünktlichkeit, Regelmäßigkeit und Ausdauer werden trainiert, und das in einem Umfeld, das vielleicht erstmals im Leben der jungen Leute auf Verlässlichkeit im Umgang miteinander basiert.

Vertrag mit Modellcharakter vereinbart

„Die Zusammenarbeit früher mit dem Arbeitsamt und jetzt mit den Jobcentern gibt es schon immer“, ergänzt Schliekau. Nach dem Modell für die Klinik in Ahlhorn wird aktuell an weiteren vertraglichen Vereinbarungen gearbeitet, unter anderem für die Suchtklinik für Erwachsene in Neerstedt und für beide Einrichtungen mit dem Landkreis Cloppenburg. Die Vereinbarung mit dem Landkreis Oldenburg dient darüber hinaus als Muster für die Übergabe von Jugendlichen aus anderen Kreisen und Kommunen. Denn die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik wird aus dem ganzen Bundesgebiet belegt.