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Tag des Friedhofs Erstmals mehr Urnen als Särge in Ganderkesee

Von Marie Busse | 14.10.2018, 22:21 Uhr

In Ganderkesee gab es im vergangenen Jahr erstmals mehr Urnen- als Erdbestattungen. Rund 70 Besucher haben sich am Tag des Friedhofs über Bestattungsmöglichkeiten informiert.

Urne oder Sarg, Stele oder Rasenfläche – wenn es um den Tod geht, ist auf dem Friedhof an der Urneburger Straße in Ganderkesee einiges möglich. Ein Trend ist aber deutlich auszumachen: „Im vergangenen Jahr hatten wir erstmals mehr Urnenbestattungen als Erdbestattungen“, sagte Pastorin Susanne Bruns anlässlich des Tags des Friedhofs am Sonntag. Rund 70 Interessierte folgten der Einladung des Friedhofs und informierten sich bei einem Gang über den Friedhof über Bestattungsmöglichkeiten. 2017 standen 110 Urnenbestattungen, 84 Erdbestattungen gegenüber. „Viele entscheiden sich für die Urne, weil es weniger Fläche zum Pflegen gibt“, vermutete Bruns.

Friedhof hat Stele angeschafft

Die Friedhofsverwaltung reagiert auf den Trend zur Urne: Seit wenigen Wochen steht eine Stele auf einer Freifläche. An ihr können bis zu 56 kleine Vasen angebracht werden. Um die Stele herum werden die Urnen unter der Grasnarbe vergraben. „Man weiß nicht genau, wo der Angehörige liegt. Aber man hat einen Ort, um Blumen abzulegen“, erklärte Swenja Scherschanski von der Friedhofsverwaltung. Die Stele sei als Ersatz für die Platten auf dem Rasenfeld angeschafft worden, sagte Friedhofsmitarbeiter Gerold Helmbold. „Dort wurden immer wieder Blumengestecke und Ähnliches abgelegt, die wir wegräumen mussten“, begründet er die Entscheidung für die Stele. Die Grabstätte an der Stele sei „pflegefrei“, das bedeute, dass Mitarbeiter des Friedhofs das Gräberfeld in Schuss halten. Der Friedhof müsse zudem gut haushalten: „Der Friedhof trägt sich selbst. Es kommt keine Kirchensteuer rein“, erklärte Helmbold.

Den Angehörigen nicht zur Last fallen

Ingo Hammer von der Firma Lange Grabmale hat beobachtet, dass immer mehr Friedhöfe vor der Herausforderung stehen, frei gewordene Gräber mitten auf dem Friedhof zu nutzen. Er sagt: „Da ist Kreativität gefragt.“ Bei seiner Firma werden auch immer mehr Stelen nachgefragt. „Ältere Menschen wollen mit der Pflege der Gräber niemanden zu Last fallen. Trotzdem sollen die Kinder einen Ort zum Trauern haben“, beschrieb Gunda Böer, ebenfalls von der Firma Lange, den Trend zur Urne.

Eine weitere Neuerung auf dem Friedhof sind die zwei Themengrabstellen. Unter einem Herz oder einem Stern können ein bis zwei Urnen beigesetzt werden.

Swenja Scherschanski ist es wichtig, beim Thema Bestattungsform auch das Positive zu sehen: „Wenn man sich für eine Form entschieden hat und die Trauer nachlässt, kann der Friedhof ein Ort schöner Erinnerung sein.“ Sie rät daher, sich schon zu Lebzeiten mit dem Thema zu beschäftigen und ergänzte: „Deswegen freue ich mich, dass auch jüngere zum Tag des Friedhofs gekommen sind.“ Und auch wenn Urnen im Trend liegen, „wir haben genug Platz für Erdbestattungen“, stellte Pastorin Bruns klar.