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Tagsüber weniger Feuerwehrleute Sorge um Brandschützer in Ganderkesee und Delmenhorst

Von Thorsten Konkel | 08.06.2015, 17:48 Uhr

Immer mehr Einsätze, immer weniger berufstätige Feuerwehrleute, die tagsüber verfügbar sind: Diese Gefahr droht in Ganderkesee und der Stadt Delmenhorst.

„Obwohl die Mitgliederzahlen in der aus sechs Ortsfeuerwehren bestehenden Gemeindefeuerwehr seit Jahren nahezu stabil sind, müssen tagsüber mehrere Ortswehren alarmiert werden, um die erforderliche Personalstärke am Einsatzort zu erreichen“, sagt Ganderkesees Gemeinderbrandmeister Horst-Dieter Meyer.

Denn viele Kameraden arbeiteten außerhalb oder seien aufgrund flexibler Arbeitszeiten tagsüber und häufig überhaupt bei Einsätzen nur schwer oder nicht verfügbar.

„Es ist darum nötig, frühzeitig neue Wege zu gehen, bevor wir einen echten Engpass bekommen“, sagt Meyer. Dies sowohl bei der Werbung für das Ehrenamt bei den Arbeitgebern als auch bei den Interessierten, fordert er. Einen ersten Schritt hat die Gemeinde dahingehend schon 2014 mit der Veranstaltung „Mein Mitarbeiter – Der Feuerwehrmann“ getan. Arbeitgebern wurde damit gedankt, dass sie ihre Mitarbeiter für Einsätze freistellen.

Mehr Frauen in Ganderkesees Feuerwehren

Positives weiß Meyer über die Frauenquote zu berichten: Ihr Anteil liegt bereits über dem Landesdurchschnitt. Auch die Jugendarbeit entwickle sich gut. Angesichts der stark angestiegenen Einsatzzahlen sei Werbung fürs Ehrenamt aber trotzdem nötig:

Sehr viele Einsätze durch Sturm

Vom 1. Januar bis zu diesem Montag gab es bereits 160 Einsätze für die Gemeindefeuerwehren. Das ganze Jahr 2014 über waren lediglich 193. „Großen Anteil daran haben die Unwetter im März und Mai gehabt“, sagt Meyer. Allein der Durchzug einer Windhose am 5. Mai hatte zu einem Vollalarm sämtlicher 365 Aktiven geführt. Bei 70 Hilfeleistungen waren alle verfügbaren Helfer bis in den späten Abend hinein mit der Beseitigung von Sturmschäden ausgelastet. Auch die Zahl der Fehlalarme durch defekte Brandmeldeanlagen steigert das Arbeitsaufkommen: Vom 1. Januar bis Montag habe es erneut 15 Fehlalarme gegeben, berichtete die Verwaltung.

Schwierigkeiten auch in Delmenhorst

„Wir merken auch schon, dass es schwieriger geworden ist, Menschen für die aktive ehrenamtliche Arbeit in den Feuerwehren zu finden und zu begeistern“, erklärt Thomas Simon, Leiter der Berufsfeuerwehr in Delmenhorst. Die Gründung einer Kinderfeuerwehr in diesem Jahr trage dem Trend der Entwicklung der Nachwuchsgewinnung Rechnung und solle unterstützend gegensteuern.

Höhere Wertschätzung gefordert

Dass das jederzeit abrufbare Engagement für den Bürger einer besonderen Würdigung bedarf, fordert Gemeinderbrandmeister Meyer ein: „In Wertschätzung ihrer Feuerwehrleute sorgen andere Gemeinden für eine Anerkennung durch eine Feuerwehrrente, den Erlass von Grundsteuern oder kostenlosen Eintritt ins Schwimmbad“, berichtet Meyer. Er könnte sich ähnliche Vergünstigungen auch für seine Aktiven vorstellen. In Sorge, dass im Einsatzfall keine oder zu wenige Helfer ausrücken, müsse aber niemand sein.

Nächstgelegene Feuerwehr rückt aus

„Seit der Alarmierung durch die Großleitstelle gilt das „Nächste-Fahrzeug-Prinzip“, erklärt der Gemeindebrandmeister. So könnte etwa auch die Delmenhorster Feuerwehr bei Bedarf in Teile der Gemeinde entsendet werden. Auch würden Einheiten anderswo nachalarmiert. „Das könnte dann aber länger dauern“, räumt er ein.