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Tierschutz-Prozess Mann aus Großenkneten überfordert mit 13 alten Pferden

Von Ole Rosenbohm | 23.07.2019, 22:38 Uhr

Wildeshausen/Großenkneten. Ehemaliger Landwirt aus Großenkneten wegen Tierschutzvergehen vor Gericht in Wildeshausen. So erging es den Ponys.

Tiere besaß der Mann aus Großenkneten schon sein ganzes Leben lang auf seinem Hof, aber im Alter wuchsen ihm die Aufgaben offensichtlich über den Kopf. Das stellte jetzt die Richterin am Amtsgericht Wildeshausen in einem Prozess wegen Vergehens gegen das Tierschutzgesetz fest. Auch der Anwalt des 75 Jahre alten Angeklagten widersprach ihr nicht. Gegen eine Geldbuße stellte sie mit Zustimmung von Staatsanwaltschaft und Verteidigung das Verfahren vorläufig ein.

Betrieb aufgelöst

Bis zu seiner vom Landkreis nach Benachrichtigung durch eine Tierschutzgruppe angeschobenen Auflösung seines Betriebes im Mai 2018 hielt der 75-Jährige noch 13 Pferde, hauptsächlich Ponys, einst angeschafft für Rennen. Alle Pferde waren schon älter, die jüngeren zehn, zwölf Jahre, sagte der Angeklagte, das älteste 28. Und alle, stellte die vom Landkreis beauftragte Tierärztin fest, waren gesundheitlich angeschlagen, hatten Zahnprobleme, waren abgemagert und litten an chronischer Bronchitis.

Zu wenig Futter

Artgerecht versorgen konnte sie der Angeklagte kaum. Wegen seines hohen Alters sowie kaum vorhandener finanzieller Mittel. So standen die Tiere entweder im Matsch oder viel zu lange im Stall, bekamen nur unregelmäßig tierärztliche Versorgungen und offenbar kaum genug Futter. Der Angeklagte sagte zwar, die Tiere hätten immer genug zu Fressen gehabt, gab aber immerhin zu, es sei „nicht alles normal“ gelaufen mit seinen Pferden. Eine Aussage, die der Staatsanwalt als Teilgeständnis bewertete.

Verzicht auf Urteil

Auf ein Urteil verzichtete das Gericht auch, weil der Angeklagte noch nie strafrechtlich aufgefallen war. Das Wichtigste sei ohnehin, „dass Sie keine Tiere mehr haben“, sagte ihm die Richterin. Auch der Staatsanwalt sagte, er wolle den Mann nicht kriminalisieren: „Ich verstehe, dass man die Tiere ungern abgibt.“ Der 75-Jährige muss nun innerhalb von sechs Monaten 600 Euro an die Landeskasse zahlen. Danach ist das Verfahren endgültig erledigt. Tiere darf er nicht mehr halten.