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Tödlicher Motorradunfall in Huntlosen Gericht stellt Verfahren wegen fahrlässiger Tötung ein

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 09.05.2016, 20:35 Uhr

Ein tödlicher Motorradunfall im Juni 2015 ist vom Amtsgericht Wildeshausen aufgearbeitet worden. Der Fahrer des beteiligten Transporters sei mitschuldig.

Freigesprochen hat das Amtsgericht Wildeshausen den Angeklagten nicht vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung. Dafür aber stellt es das Verfahren gegen den 26-Jährigen ein: gegen eine Zahlung von 2000 Euro. So hat am Montag die Vorsitzende Richterin Ann-Katrin von der Heide nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft entschieden. Der Angeklagte, ein Erntehelfer aus Polen, hatte als Fahrer eines Kleintransporters am 28. Juni letzten Jahres auf der Kreisstraße 242 in Huntlosen einen Unfall mitverursacht, bei dem ein 31-jähriger Motorradfahrer ums Leben gekommen war.

Im Rückspiegel kein Fahrzeug

Er werde es niemals vergessen, so der sichtlich erschütterte gelernte Kraftfahrzeugmechaniker vor Gericht. Es tue ihm alles schrecklich leid. Zweimal habe er in den Rückspiegel des Kleintransporters geguckt, aber kein Fahrzeug hinter sich wahrgenommen. Er habe den Blinker eingeschaltet und sei schließlich nach links abgebogen. Dann habe er einen kräftigen Stoß gespürt: den Motorradfahrer mit seiner Maschine.

Motorrad deutlich zu schnell

Wie Gutachter später ermittelt haben, wollte dieser Motorradfahrer den Transporter offenbar gerade überholen. Zum Zeitpunkt der Kollision fuhr der Transporter mit einer Geschwindigkeit von 17 Kilometern pro Stunde, das Motorrad mit 85. Aufgrund des Bremswegs und verschiedener Unfallspuren ermittelten die Gutachter aber auch, dass der Motorradfahrer, als er zum Überholen ansetzte, 113 bis 128 Stundenkilometer gefahren sein muss – also deutlich zu schnell.

Transporterfahrer handelte fahrlässig

Die Vorsitzende sprach daher gestern von einer Mitschuld des Unfallopfers. Der Vorwurf der Fahrlässigkeit gegen den Angeklagten aber bleibe dennoch bestehen. Es reiche eben nicht aus, vor dem Abbiegen lediglich in den Rückspiegel zu gucken und nicht auch aus dem Seitenfenster. Allerdings hielten Richterin und Staatsanwaltschaft dem Angeklagten zugute, dass er noch gebremst hatte – wenn auch zu spät.

2000 Euro an Eltern des Unfallopfers

Dass der Angeklagte zur Einstellung des Verfahrens lediglich 2000 Euro an die Eltern des Unfallopfers zahlen müsse, sei allein seiner wirtschaftlichen Notlage geschuldet, erklärte von der Heide abschließend.