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Training an Ganderkeseer Schule Auch gesittet Schlange stehen gehört dazu

Von Bettina Dogs-Prößler | 13.12.2018, 19:31 Uhr

Über den Verkehrsverbund können Grundschulen ihre Schüler im richtigen Verhalten im und am Schulbus trainieren lassen. Für „Herbert“ geht die Fahrt dabei allerdings nie gut aus.

Es geht nicht gut aus für Herbert. Keine zehn Meter hat Hartmut Köhler mit dem ehemaligen Linienbus zurückgelegt, da tritt er plötzlich voll in die Eisen und Herbert holt es vom Sitz. Erst in der Mitte des Ganges kommt der Wasserkanister mit Namen „Herbert“ zum Liegen, mit dicken Dellen längsseits und angekratzter Außenhaut. „Wäre das jetzt einer von euch gewesen“, erklärt Busfahrer Hartmut Köhler, „dann hätte er sich richtig doll wehgetan.“

Katastrophale Situation nach Schulschluss

Um solche Unfälle zu vermeiden, haben sechs Klassen der Grundschule Dürerstraße jetzt an zwei Tagen gelernt, wie richtiges Verhalten im Schulbus geht. „Nach Schulschluss ist die Situation bei uns hier draußen katastrophal“, schildert Klassenlehrerin Nina Janßen. Unzählige Schüler tummelten sich an der Bushaltestelle, während sich andere einen Weg durch das Gewühl bahnen müssen, um zu Fuß oder mit dem Rad über die Straße zu kommen.

Am schlimmsten sind die Elterntaxis

„Am schlimmsten sind aber die Elterntaxis. Sie stehen überall herum und die Eltern versuchen, ihre Kinder irgendwie auf die andere Seite zu holen.“

Über das aktuelle Trainingsprojekt „BusSchule“ des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen (VBN) sowie des Zweckverbandes Verkehrsverband Bremen/Niedersachsen (ZVBN) sensibilisiert die Grundschule an der Dürerstraße also nun ihre Schüler für die Gefahren, die am und im Bus oder an einer Bushaltestelle lauern. Seit April läuft das Projekt, seitdem haben es innerhalb des VBN-Einzugsgebietes bereits 60 Schulen kostenlos genutzt.

Vielfältige Sicherheitsaspekte

In dem Training geht es nicht nur um gesittetes Verhalten und ruhiges „In-der-Schlange-stehen“: „Es geht um vielfältige Sicherheitsaspekte“, erklärte Veronika Schlierf vom VBN. Was passiert, wenn ich mich nicht richtig festhalte? Warum sollte ich meinen Ranzen schon vor dem Einstieg absetzen? Und wo steht der überhaupt, dass er während der Fahrt nicht zum „Herbert“ wird?

„Der Tornister gehört von den Schultern, noch bevor ihr eingestiegen seid“, sagte Hartmut Köhler, der zusammen mit Busfahrerkollege André Gieschen für die Umsetzung zuständig ist. Denn ein Tornister könne nicht nur zum gefährlichen Geschoss werden. „Wenn ich mit Ranzen auf dem Rücken durch den Gang gehe, kann ich damit auch ganz schnell jemanden am Kopf verletzen“, so Köhler.

Damit Kinder nicht zu Geschossen werden

Höhepunkt des etwa 45-minütigen Bustrainings war jedoch die Vollbremsung mit voll besetzten Sitzreihen. Tempo 15 reichte bereits aus, um den mitreisenden Kanister „Herbert“, der zuvor von Köhler auf den hintersten Plätzen platziert worden war, einmal halb durch den Bus zu katapultieren. Da konnten die Sechs- und Siebenjährigen dann selbst erleben, warum der Schulranzen zwischen den Beinen geklemmt auf dem Boden zu stehen hat. Darüber hinaus hatten sie gelernt, dass Nothammer nur an gekennzeichneten Scheiben eingesetzt werden können und dass sich über dem Ausstieg ein für Kinder nicht zu erreichender Notöffner befindet – und wie den im Notfall auch kleinere Kinder auslösen können.

Die Jungen und Mädchen ausbremsen musste Hartmut Köhler dann etwas, als es an den richtigen Ausstieg ging. „Stürmt nicht einfach so heraus, sondern guckt erst einmal, ob da nicht auch noch Fußgänger oder Radfahrer sind“, sagte Köhler. „Dann kracht ihr mit denen nicht zusammen – und könnt entspannt weiter nach Hause gehen.“