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Trotz erhöhter Produktionskosten Gänsebraten aus Immer genauso teuer wie im Vorjahr

Von Thomas Deeken | 20.11.2018, 12:37 Uhr

Der Geflügelhof Wachtendorf in Immer hat zwar in diesem Jahr wegen teurer gewordenen Futters sowie Hitze und Trockenheit mit erhöhten Produktionskosten zu kämpfen. Trotzdem bleibt der Preis für den Gänsebraten genauso wie im vergangenen Jahr, sagt Betriebschef Kai Wachtendorf.

Der trockene und heiße Sommer hat sich in diesem Jahr auch auf die Gänsezucht auf dem Geflügelhof Wachtendorf in Immer ausgewirkt. Das hat Kai Wachtendorf, der den Betrieb gemeinsam mit Vater Werner leitet, gegenüber unserer Zeitung erklärt. Er habe einen höheren Aufwand bei der Versorgung der Tiere durch Tränken und Rasensprenger sowie massive Kosten beim teurer gewordenen Futter gehabt. Darüber hinaus hätten dieses Jahr – unter anderem wegen der hohen Temperaturen und der dadurch bedingten Stressfaktoren – bislang geschätzte zweieinhalb Prozent der Gänse die Zeit bis zur Schlachtung nicht überlebt. Trotzdem gibt es eine gute Nachricht für den Verbraucher: Zumindest bei Wachtendorf hat sich der Preis für den Gänsebraten gegenüber dem Vorjahr nicht erhöht – anders als in vielen anderen Regionen.

Wachtendorf: Gänsebraten etwas Besonderes für den Kunden

Eigentlich hätte er aufgrund der hohen Produktionskosten mehr verlangen müssen. Allerdings habe er die Preise für die Großschlachtereien bereits Winterende und für die eigene Vermarktung zum Sommeranfang festlegen müssen, erläutert der 32-Jährige. Das bedeutet: Frisch und bratfertig gibt es das Kilo für den Kunden für 12,65 Euro, für Keule und für Brust mit Knochen jeweils für 26,30 Euro. Die Gänse wiegen laut Kai Wachtendorf normalerweise zwischen vier und sechs Kilo, dieses Jahr eher Richtung vier Kilo, weil die Tiere in der Hitze nicht so viel fressen mochten wie in den Vorjahren. Das bedeutet: Bei den leichteren Tieren mit vier bis fünf Kilo müssen Verbraucher mit einem Preis zwischen 50 und knapp über 60 Euro rechnen. „Ein Gänsebraten – gerade zu Weihnachten – scheint aber bei den Kunden nach wie vor etwas Besonderes zu sein“, so der Landwirt.

Nach der 16. Woche zur Schlachtung

Zwischen Anfang April und Ende August kommen alle vier Wochen Eintagsküken mit einem Gewicht von etwa 30 Gramm unter anderem aus Dithmarschen und Potsdam nach Immer. Laut Wachtendorf bleiben die Küken zunächst für 14 Tage im Stall, danach geht es bis zur vierten und fünften Woche in den offenen Weideunterstand und anschließend auf die Weide, wo dem Tier rein rechnerisch circa zehn Quadratmeter zur Verfügung stehen. Ab der 15. Woche werden die Tiere wieder in den frisch eingestreuten Weideunterstand gebracht, wo sie sich selbst besser reinigen können. Nach der 16. Woche endet das Gänseleben in der Schlachterei – entweder in einer Großschlachterei in Dithmarschen oder Bakum oder in einer Kleinschlachterei in Weyhe, wenn es sich um die Eigenvermarktung handelt. Dort werden die Tiere geschlachtet, die Gaststätten in der Region oder Privatpersonen zum Martinsgansessen beziehungsweise zu Weihnachten verkauft werden. Zwischen Mitte Dezember und Ende März gibt es keine Gänse auf dem Hof. Übers Jahr gerechnet werden den Angaben des Betriebschefs zufolge zwischen 9000 und 10.000 Tiere gezüchtet. Seine Devise dabei: „Die Tiere müssen sich wohlfühlen, sonst erbringen sie keine Leistung, mit der wir Geld verdienen können.“ Außerdem will er die Verluste gering halten – möglichst unter zwei Prozent.

Füchse und Möwen als Feinde

Die Verluste entstünden nicht nur durch ohnehin schwache Tiere und beispielsweise Stress durch Hitze und Trockenheit, sondern auch durch natürliche Feinde wie Füchse und Möwen. „Gegen den Fuchs können wir einzäunen. Bei der Landmöwe wird es aber schwieriger: Sie stürzt sich auf jüngere Gänse und fliegt auch in die Unterstände“, weiß Wachtendorf. Dagegen gibt er Entwarnung bei zwei anderen Faktoren: „Die Vogelgrippe ist Gott sei Dank nicht in Sicht. Und durch Futtermittel, das durch das krebserregende PCB verunreinigt wurde, sind wir momentan nicht betroffen.“