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„Üben wie für eine Abiturprüfung!“ Anwältin kritisiert in Ahlhorn Schikane gegen Flüchtlinge

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 25.02.2016, 13:11 Uhr

Ahlhorn/Landkreis Oldenburg. Anwältin Mareike Kaempf hat Ehrenamtliche bei einem Info-Abend der Diakonie über Asylverfahren und Flüchtlingsschutz informiert. Ehrenamtliche sollten Flüchtlinge auf Asylverfahren vorbereiten.

Ehe ein Flüchtling einen Asylantrag stellen könne, müsse er unzählige Hürden überwinden, viel mehr als für jeden anderen Antrag in Deutschland, stellt Mareike Kaempf fest. Umso wichtiger sei, findet die Rechtsanwältin aus Oldenburg, dass sich der Asylbewerber bestens auf das entscheidende Interview mit den Mitarbeitern des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vorbereite. Kaempf hat sich auf Asylrecht spezialisiert und am Mittwoch im Zuge eines Info-Abends der Diakonie in Ahlhorn ehrenamtliche Helfer über „Asylverfahren und Flüchtlingsschutz“ informiert.

„Recht auf politisches Asyl“

Hierzu machte die Anwältin zunächst deutlich, dass Flüchtlinge weltweit in ihren Augen ungeheuerlichen Schikanen ausgesetzt seien. Schon, dass ihr Weg nach Europa nur über Schleuser und das Mittelmeer führe, sei skandalös. Kaempf zitierte in diesem Zusammenhang den italienischen Kriminologen Andrea di Nicole: „Es ist doch verrückt, dass Menschen, die ein Recht auf politisches Asyl in Europa haben, erst 8000 Euro an Kriminelle zahlen müssen, um dorthin zu gelangen.“

Weltweit Schikanen gegen Flüchtlinge

Doch auch, wer den weiten, oft lebensgefährlichen Weg bis nach Deutschland schaffe, müsse sich auf weitere Schikanen gefasst machen. Es beginne damit, dass das „Asylbegehren“, welches Flüchtlinge an den Grenzen oder in den Erstaufnahmelagern formulierten, noch lange keinem „Asylantrag“ gleichkomme. Diesen könne ein Flüchtling oft erst etliche Monate nach seiner Ankunft stellen, auch deswegen, weil das BAMF derzeit völlig überlastet sei.

Intensive Vorbereitung auf BAMF-Interview

Komme es dazu, dass ein Flüchtling einen Antrag stelle, so bilde das Interview, das Mitarbeiter des Bundesamts mit ihm führten, die Grundlage für den Bescheid. Kaempf rät allen Flüchtlingen und ihren Helfern dazu, sich möglichst intensiv auf dieses Interview vorzubereiten, „wie auf eine Abiturprüfung“. Es komme vor allem auf Glaubwürdigkeit an. Viele Flüchtlinge tendierten dazu, vor dem Bundesamt Geschichten zu erzählen, die ihnen ihre Schleuser aus eigenen Interessen heraus nahegelegt hätten. Das sei ein schwerer Fehler, die Authentizität einer Erzählung sei wichtig, auch wenn sich diese unter Umständen minder spektakulär ausnehmen als die Version der Schleuser. Hinzu komme, dass es viele Flüchtlinge überhaupt nicht gewohnt seien, viel zu erzählen. Auch deswegen sollten sie mit ihren Helfern das Interview vorbereiten.