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Umfrage in verschiedenen Branchen Mehr als nur tariflicher Mindestlohn in Ganderkesee

Von Thomas Deeken und Reiner Haase | 06.07.2018, 19:14 Uhr

Der Mindestlohn steigt in den nächsten zwei Jahren in Etappen. Ganderkeseer Betriebe halten meist Abstand nach unten. Sie wollen gutes Personal an sich binden.

Ganderkesee. Man muss ohnehin schon mehr als den gesetzlichen Mindestlohn bezahlen, um gute Leute zu bekommen, sie zu behalten und sie bei Laune zu halten. Das ist der Tenor einer kleinen dk-Umfrage in verschiedenen Betrieben und Branchen in der Gemeinde Ganderkesee zum Thema Mindestlohnerhöhung. Noch geht es in den meisten Branchen um 8,84 Euro pro Stunde. Der Lohn soll aber zum 1. Januar 2019 auf 9,19 Euro und 20120 auf 9,35 Euro steigen.

Möglicherweise Preiserhöhung

Gastwirt Gerd Menkens aus Hoykenkamp hat die Erhöhung „mit einem Lächeln und mit einem Bedauern aufgenommen“. Es sei natürlich schön, wenn die Menschen mehr verdienen und sich dann mehr kaufen können. Er müsse allerdings darauf reagieren und möglicherweise die Preise erhöhen. Das hänge aber weniger mit seinen Mitarbeitern zusammen. Vielmehr würden ja auch Zulieferer für Getränke und Speisen den Lohn erhöhen. Er werde nach der Sommerpause vor allem im Hinblick auf die Kohlsaison neu kalkulieren. Eventuell werde das Kohlessen wegen der höheren Kosten etwas teurer.

Auch Erhöhung für Mitarbeiter

Seinen 15 bis 20 Aushilfen zahlt Menkens eigenen Angaben zufolge schon jetzt mindestens 9,50 Euro. Dazu kämen ohnehin noch weitere Zuschläge bei besonderen Veranstaltungen. „Wahrscheinlich gehe ich im nächsten Jahr dann auf mindestens zehn Euro“, sagt der Gastwirt – als Anreiz, zuverlässiges Personal zu halten.

Weiteres Standbein

„Wir haben schon immer gut bezahlt“, sagt Cerstin Vosteen, Geschäftsführerin des Seminar- und Veranstaltungshotels Backenköhler in Stenum. Sie bezahle mehr als den tariflichen Mindestlohn für ihre 50 bis 60 Aushilfen, wollte aber keine Zahlen nennen. Es sei auch wünschenswert, dass die Menschen mehr verdienen, allerdings hole die Gastronomie das nicht wieder rein. Das bedeute aber auch nicht, dass das Unternehmen gleich mit Preiserhöhungen reagiere. Vielmehr gehe es darum, sich immer weiter zu entwickeln. Mit der Zeitwende-Akademie gebe es ein weiteres Standbein bei Backenköhler, so die Geschäftsführerin. Darüber hinaus seien durch Umorganisationen, an denen auch die Mitarbeiter beteiligt seien, sogar Kosten eingespart worden.

Jaursch: Personal bei Laune halten

Für Joachim Jaursch von der Shell-Station an der Raiffeisenstraße ist der Mindestlohn kein Thema. Er habe für seine sechs Aushilfen schon immer mehr als den tariflichen Lohn bezahlt. „Aus Datenschutzgründen sage ich aber nicht, um wie viel es geht“, erklärt der Pächter. Wichtig sei es, die Mitarbeiter bei Laune zu halten. Und das gehe auch über den Lohn.

Taxi fährt zu vorgegebenem Preis

„Um einen Anreiz zu schaffen, gerne für mich zu fahren, zahle ich bereits 9,50 Euro“, informiert Heiko Stubbemann von „Stubby’s Mietwagenservice“ in Ganderkesee. Er zahle die höheren Löhne. Fahrpreise könne aber nicht er, sondern nur der Verband erhöhen.

„Wir zahlen in der Pflege deutlich mehr“

Im Bereich Pflege gibt es nach Angaben von Friedhelm Clasen, Geschäftsführer des Wohnparks Am Fuchsberg, derzeit einen Mindestlohn in Höhe von 10,55 Euro, ab nächstem Jahr wird er auf 11,05 und danach auf 11,35 Euro steigen. „Wir zahlen aber deutlich mehr, sonst bekommen wir keine Mitarbeiter mehr“, sagt Clasen, ohne genaue Zahlen zu nennen. Darüber hinaus gebe es Zuschläge – beispielsweise fürs Wochenende.

Mindestlohn für Erntehelfer attraktiv

In der Landwirtschaft spiele der Mindestlohn keine große Rolle, sagt Bernhard Wolf, der Geschäftsführer des Kreislandvolks. Die Tarife würden überbetrieblich von einer Kommission festgelegt. Ihm sei keine Diskussion darüber bekannt. Eine Ausnahme seien die Betriebe mit Sonderkulturen wie Spargel, Erdbeeren und Gemüse. Sie sind zu den Stoßzeiten auf Erntehelfer angewiesen und rekrutieren sie meist in Polen und Rumänien. Für sie ist der Mindestlohn attraktiv, den ihnen Markus Wempe, der Betreiber des Hofladens in Neu Holzkamp am Rande Ganderkesees bezahlt. Laut Landwirtschaftskammer Niedersachsen werden die Saisonkräfte allerdings rar, weil sich der Arbeitsmarkt in den Herkunftsländern dynamisch entwickelt. Ein höherer Mindestlohn könnte da etwas Luft verschaffen, sodass Erdbeeren nicht am Stengel verfaulen.