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Umzug zum Nordenholzer Hof Feldscheune in Nordenholz wird Stätte der Geselligkeit

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 25.08.2016, 16:36 Uhr

In Nordenholz bei Hude sind die Balken, Gemäuer und Flechtwerke einer alten Feldscheune neu zusammengefügt worden. Sie steht beim Nordenholzer Hof.

So viel Dorfgeschichte retten wie möglich: Mit diesem Vorsatz ist der Ortsverein Nordenholz um die Jahrtausendwende ins Dorferneuerungsprogramm gegangen. Die Vertreter der Dorfgemeinschaft hatten ganz besonders die Feldscheune im Blick, die mehr als 200 Jahre auf einer Weide an der Ecke Brookweg/Nordenholzer Straße gestanden hat.

Beharrlicher Einsatz, zwischenzeitlich auch gegen Widerstände im Dorf und in der Huder Kommunalpolitik, hat sich gelohnt: Die zwischenzeitlich eingelagerten Bauteile sind auf dem Grundstück der Gaststätte Nordenholzer Hof in nahezu ursprünglicher Form wieder aufgestellt. Rettung eines Stücks Dorfgeschichte kurz vor Ultimo: „Die Scheune haben wir zerlegt, bevor sie ganz zusammenbricht“, blickt Rolf Schote, der Vorsitzende des Ortsvereins, ein paar Jahre zurück.

Höchstleistung der Handwerker

Wer’s nicht gesehen hat, kann das heute kaum glauben. „Die Handwerker haben hervorragende Arbeit geleistet“, berichtet der neue Feldscheunen-Besitzer Heiko Aschenbeck, der mit dem Geschäftsführer Michael Niebuhr auch aus dem brachliegenden Nordenholzer Krug die florierende Gastronomie Nordenholzer Hof gemacht hat. Aschenbeck schildert begeistert, wie das Fachwerk samt Holzgeflecht einer ganzen Wand den Umzug über gut 500 Meter in einem Stück überstanden hat. Und er erinnert sich besonders lebhaft an die Begeisterung der Lehrlinge der Huder Zimmerei Renken beim Schnitzen von Holznägeln fürs Verbinden der Balken, so wie es die Altvorderen beim ersten Aufbau auch getan haben. „So viel handfeste Einblicke in die Bautechnik kriegt nicht jeder Lehrling vermittelt“, sagt Aschenbeck. Wie früher hält auch jetzt kein Eisenteil das Fachwerk zusammen.

Dritte Wahl von damals heute genau richtig

Niebuhr erinnert sich allerdings auch daran, dass insbesondere die Maurer vielfach ein Wort in den Mund genommen haben, das mit „Sch…“ beginnt. Beim Ausfüllen des Fachwerks passte hinten immer wieder nicht, was vorne begonnen worden war. „Kein Wunder“, sagt Aschenbeck, „früher haben die Ziegeleien in Langenberg und Umgebung die Steine erster Wahl in die Städte verkauft. In den Dörfern ringsum blieben die zweite und dritte Wahl.“ Derart vielfarbige Steine, vielleicht nicht ganz so krumm, werden heute für Neubauten extra nachgebrannt. An Aschenbecks Feldscheune gibt es sie im über 200 Jahre alten Original.

Dach um eigene Achse gedreht

In der Außenansicht der Feldscheune hat sich bei aller Behutsamkeit im Umgang mit historischer Substanz einiges verändert. Der Dachaufbau ist um 180 Grad gedreht, sodass der Dachvorsprung zum übrigen Gebäudeensemble des Nordenholzer Hofs weist. Die zwei Holztore der alten Durchfahrscheune sind durch große Türen mit viel Glas ersetzt. In die Gefache sind, teils vom alten Holzgeflecht verborgen, Fenster eingelassen. „Wir brauchen Licht“, sagt Aschenbeck.

Innenausbau läuft noch

Im Inneren der Feldscheune ist noch einiges zu tun, bevor das Gebäude mit jeweils rund 60 Quadratmetern Grundfläche auf drei Ebenen für Gastronomie und Geselligkeit genutzt werden kann. Unter anderem lässt Investor Heiko Aschenbeck noch Treppen einbauen. Im Keller richtet Niebuhr im rustikalen Ambiente eine Weinbar ein. Ins Erdgeschoss kommen ein größerer Tisch mit Stühlen aus Aschenbecks Antiquitätenfundus, kleinere Sitzgruppen und eine kleine Küchentheke, an der Flammkuchen, Brote und andere Kleinigkeiten zubereitet werden können. Unter das mit den alten Ziegeln neu gedeckte Dach wird ein großer Tisch mit 24 Stühlen rundherum gehievt.

Lehm und Stroh für Zusatzwand

Innen ist die einst zugige Feldscheune schon mit einer Zusatzwand verkleidet; Baumaterial ist ein Gemenge aus Lehm und Stroh. Das sei rustikal, energetisch günstig und beeinflusse das Raumklima positiv, begründet Aschenbeck die Wahl. „Farbe kommt da nicht drauf“, betont er, „früher konnten sich die Leute das nicht leisten, und heute will ich das nicht.“

200.000 Euro Investition

Die Investion in die Feldscheune schätzt Aschenbeck vor Eingang der letzten Rechnungen auf 200.000 Euro. Er baut darauf, dass ein Teil aus der Dorferneuerung zurückkommt: „Was nach außen geht und das Dorfbild verschönert, wird mit 30 Prozent gefördert.“