Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Unattraktive Arbeitszeiten Ganderkeseer Gastronomen ringen um Fachkräfte

Von Marie Busse | 11.06.2018, 20:55 Uhr

Die Gastwirte in Ganderkesee und Delmenhorst sind auf der Suche nach Fachkräften. Der Mangel bremst das Wachstum der Branche aus.

Die Restaurants und Hotels aus dem Oldenburger Land melden zwar zuletzt gute Geschäfte. Der positive Blick in die Zukunft wird jedoch durch fehlendes Personal getrübt. Das hat die jüngste Saisonumfrage Tourismus der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) ergeben.

Fachkräftemangel betrifft jeden Betrieb

„Der Fachkräftemangel betrifft jeden Betrieb“, stellt Timo Vetter, Pressewart des Ortsverbands Ganderkesee-Hude des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) klar. Es sei schwer, geeignetes Personal zu finden und zu halten. Vetter erklärt: „Im schlimmsten Fall können Veranstaltungen nicht angenommen werden“, erklärt er. Laut der IHK-Umfrage sehen 81 Prozent der befragten Betriebe in dem Fachkräftemangel das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung.

So schlimm ist es bei den örtlichen Gastwirten nicht, doch der Mangel ist spürbar. „Wir sind auf der Suche, aber wir bekommen kaum Bewerbungen“, sagt Britta Wyrwas vom Oldenburger Hof in Ganderkesee. Das beeinträchtige Planung der Veranstaltungen. Ähnlich sieht es auch Ibrahim Celik, Inhaber des Schwarzen Ross in Bookholzberg: „Wir haben zwar ein festes Team, aber sobald jemand krank ist, wird es schwierig.“ Das sei nur durch Mehreinsatz des Inhabers möglich. „Wir arbeiten am Wochenende, das ist für viele junge Leute einfach unattraktiv“, sagt er.

Unattraktive Arbeitszeiten

In den Arbeitszeiten sieht auch Heike Thiemann von der Jägerklause einen Hauptgrund für die ablehnende Haltung gegenüber der Arbeit in der Gastronomie. Sie betont: „Die Freizeit ist den jungen Menschen sehr wichtig. Das kann man mit Geld kaum aufwerten.“ Höhere Personalkosten müssten zudem auf die Gäste umgelegt werden, gibt Dehoga-Pressesprecher Vetter zu Bedenken. „Das ist schwer umsetzen, weil Gäste wegbleiben könnten“, führt er aus. In der Jägerklause hat sich eine Stammbelegschaft etabliert, die durch geeignete Fachkräfte ergänzt werden soll. „Unser Angebot wird von den Gästen sehr gut angekommen. Das möchten wir mit mehr Personal gerne ausweiten“, betont Heike Thiemann. Bislang kommen aber nur wenige Bewerbungen.

Aushilfskräfte gesucht

Der Gasthof zur Eiche in Schlutter sucht vor allem Aushilfskräfte für das Wochenendgeschäft. „Wir bekommen Bewerbungen, in denen steht, dass die Bewerber am Wochenende und am Abend freihaben wollen. Das geht in der Gastronomie nicht“, erklärt Ingrid Dobranz. Absagen oder Einschränken musste der Gasthof das Angebot allerdings noch nicht.

Das Hotel Thomsen in Delmenhorst ist personell zwar gut aufgestellt, spürt den Fachkräftemangel dennoch. Inhaber Olaf Thomsen erläutert: „Früher haben wir schnell neue Leute gefunden.“ Heute dauere es drei Monate, eine Stelle zu besetzen. „Wir konnten trotzdem auch alle Lehrstellen in diesem Jahr besetzen“, sagt er. Einen Grund für das schwindende Interesse an der Gastronomie sieht er auch in dem Image der Branche: „In anderen Ländern genießt der Beruf ein deutlich höheres Ansehen.“

Image der Branche verbessern

Um das auch in Deutschland zu erreichen, haben sich die IHK Oldenburg und der Dehoga-Verband Weser-Ems zusammengetan: Sie wollen im Herbst mit einem Imagefilm für einen Beruf in der Gastronomie werben.