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Untersuchungen in Harpstedt Auf der neuen Stromtrasse könnten alte Stätten liegen

Von Vincent Buß | 04.12.2018, 16:42 Uhr

Auf dem Harpstedter Abschnitt der Stromtrasse Ganderkesee-St. Hülfe werden archäologische Funde vermutet. In Ganderkesee gibt es jedoch noch andere Hürden.

Dort, wo die Masten der neuen Höchstspannungsleitung gebaut werden sollen, könnten alte Siedlungen liegen. An fünf Standorten hält das niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege Funde für besonders wahrscheinlich, weswegen diese seit Montag, 3. Dezember, von der Firma Denkmal 3D untersucht werden. „Weil in der Umgebung schon Fundstellen bekannt sind, handelt es sich um Verdachtsflächen“, erklärt die Archäologin Melanie Müller. In der Nähe befindet sich etwa die Straße der Megalithkultur. Zum Anderen seien manche Standorte noch gänzlich unerforscht gewesen – und würden daher untersucht.

Was die Forscher vermuten

Die Siedlungen, die vermutet werden, könnten aus verschiedensten Epochen stammen: von der Megalithkultur über die Eisenzeit bis ins Mittelalter. Wenn etwas zutage kommt – Gegenstände oder auffällige Bodenverfärbungen – stehen Müller zufolge weitere Untersuchungen an. „Dann wird alles herausgeholt“, sagt die Archäologin. Für den Bau der Stromtrasse sei das aber nicht problematisch: Nach der Bergung dürfe weitergearbeitet werden.

Bisher haben Müller und ihr Kollege Jan-Dirk Steinke eh noch nichts gefunden. Sie planen, bereits am Mittwoch, 5. Dezember, alle fünf Verdachtsflächen untersucht zu haben. Pro Mast werden zwei Furchen gezogen, zwei Meter lang und bis zu 60 Zentimeter tief. Weil der Boden abseits davon durch die Masten nicht beschädigt werde, müsse er auch nicht untersucht werden, erklärt Müller.

So geht es in Harpstedt weiter

Insgesamt werden auf dem zweiten, fast 20 Kilometer langen Abschnitt der Trasse, der zurzeit untersucht wird und durch die Samtgemeinde Harpstedt verläuft, 53 Masten errichtet. Die Baugrunderkundung sei ansonsten abgeschlossen, berichtet Inga Wilken. Sie ist Referentin für Bürgerbeteiligung beim Netzbetreiber Tennet, der für die Strecke verantwortlich ist. Die Gespräche mit den Eigentümern der Bauflächen laufen ihr zufolge jedoch noch. Dabei geht es auch um Entschädigungszahlungen.

Laut Wilken sollen jedoch noch in diesem Jahr Bäume für die Freileitung gefällt werden, sodass ab April gebaut werden kann. Im September 2020 könnten die Arbeiten abgeschlossen sein. Zunächst will Tennet jedoch Anfang Februar Anlieger und Interessenten zu einer Infoveranstaltung einladen.

Ganderkesee hängt noch hinterher

Auf dem ersten Trassenabschnitt, der in Ganderkesee beginnt, ist Tennet laut Wilken noch nicht so weit. Dort fehle teilweise noch die Erlaubnis, die Grundstücke überhaupt zu betreten. Sobald diese eingeholt sei, stünden auch dort unter anderem archäologische Untersuchungen an. „Im April können wir auch in Ganderkesee mit der Bauausführungsplanung beginnen“, schätzt Wilken. Im Gegensatz zum zweiten Trassenabschnitt verläuft die Leitung in Ganderkesee teilweise unterirdisch.

Infozentrum in Planung

Auch die Planung des Infozentrums zur Stromtrasse ist laut Wilken noch nicht abgeschlossen. Angestrebt werde die Eröffnung im April. „Wir suchen noch nach einer passenden Örtlichkeit“, berichtet Wilken. Tennet präferiere die Standorte Ganderkesee oder Diepholz, an denen Erdkabel verlegt werden. „So können sich die Leute über die Technologie und den Bodenschutz informieren“, sagt die Referentin für Bürgerbeteiligung.