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Urgeschichte im Oldenburger Land Reckumer Rillenstein bringt Steinzeitforscher auf Trab

Von Reiner Haase | 04.12.2018, 08:37 Uhr

Der Ganderkeseer Heimatforscher Hermann Speckmann vermutet in einem Großsteingrab in Reckum eine archäologische Sensation. Der Schatz aus der Steinzeit ruht an der Straße der Megalithkultur.

Der Heimatforscher und Freizeitarchäologe Hermann Speckmann aus Ganderkesee ist überzeugt, dass in einem Großsteingrab in Reckum in der Samtgemeinde Harpstedt ein vieltausend Jahre altes Zeugnis menschlicher Kultur ruht. Einer der großen Steine weist rätselhafte Rillen auf. „Im Stein ist ein Schamanenbaum abgebildet“, lautet Speckmanns Hypothese. Treffe sie zu, so sei der Stein „einmalig meines Wissens bis zu den Alpen, eine Sensation.“

„Unikat in Norddeutschland“

Selbst wenn Speckmanns Hypothese nicht zutrifft, bleibe der Reckumer Bildstein „ein Unikat, meines Wissens zumindest in Norddeutschland“, ergänzt der Freizeitarchäologe. Die „Straße der Megalithkultur“, die sich von Oldenburg aus durch die Landkreise Oldenburg und Cloppenburg und weiter durchs Emsland bis ins Osnabrücker Land schlängelt und 33 Stätten aus der Steinzeit verbindet, ist allemal um eine Attraktion bereichert.

Wohl keine Schutzgöttin

Den rätselhaften Stein hat das Ehepaar Speckmann im Sommer 2016 in einem der zwei Reckumer Großsteingräber entdeckt. Im Eigenverlag dokumentiert der Ganderkeseer die angelaufene und wohl längst nicht abgeschlossene Erforschung des Fundes. Seine erste Vermutung hat Speckmann selbst vorläufig zu den Akten gelegt: Eine „Dolmengöttin“ genannte Schutzpatronin für eine Hofgemeinschaft ist es wohl nicht. Derartige Steinbilder sind andernorts in Großsteingräbern gefunden worden, aber noch nicht im Oldenburger Land.

Mystik und Straßenbau

Die Verwitterungsspuren lassen vermuten, dass der Stein gar nicht in das Großsteingrab eingearbeitet war, sondern außerhalb stand, möglicherweise in mystisch begründetem Abstand zu den beiden Reckumer Großsteingräbern. Speckmann hat einen Zeugen aufgespürt, der sich daran erinnert, dass der Stein einst am Rande der Katenbäker Straße lag. „Der Stein ist vermutlich während der Asphaltierung der Straße von den Straßenarbeitern im Großsteingrab abgelegt worden“, sagt Speckmann.

Menschenhand im Spiel

Widerlegt ist laut Speckmann die Feststellung eines Experten, die Rillen seien von Landmaschinen in den Findling gefräst worden. Der Ganderkeseer Steinmetzmeister Herbert Dietrich hat sich vor Ort festgelegt, dass Egge oder Grubber unmöglich derartige Rillen in einem derart harten Stein verursachen können. Die Ritzungen seien von Menschenhand gefertigt. Der Ganderkeseer Landwirt im Ruhestand Heinz-Dieter Schütte hat Dietrichs Aussage im Experiment mit Trecker, altem Grubber und Findling bestätigt.

Erhaltenswertes Relikt

Im Oldenburger Jahrbuch 2018 ist nachzulesen, dass jetzt auch Profi-Archäologen davon ausgehen: Hier war Menschenhand im Spiel. Freizeit-Archäologe Speckmann sieht deshalb die Samtgemeinde Harpstedt und den örtlichen Heimatverein in der Verantwortung, das Relikt aus der Frühzeit der Menschheit zu erhalten. „In verborgener Weise könnte die Gitterstruktur des Steins mit schamanischen Riten verbunden sein“, glaubt Speckmann. Offen ist, ob der Stein darüber noch mehr verrät.