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Urteil nach spektakulärem Unfall In Wildeshausen auf Spielstraße in Hauswand gerast

Von Ole Rosenbohm | 19.11.2018, 20:22 Uhr

Bekifft und betrunken war eine 23-Jährige im März in Wildeshausen mitten in einer Spielstraße gegen eine Hauswand gerast. Das Amtsgericht Wildeshausen verkündete am Montag das Urteil gegen die geständige Frau.

Wer dabei war, dürfte diese Fahrt eigentlich nicht vergessen – nur die 23-Jährige am Steuer wollte sich nicht mehr so richtig erinnern. Höchst unsicher, aber in einem „Affenzahn“, wie die Richterin jetzt im Prozess feststellte, wurde der Wagen über eine Spielstraße gesteuert. So schnell, dass die junge Frau ihren Wagen nach einer 90-Grad-Rechtskurve nicht mehr in der Spur halten konnte, einen Gartenzaun und einige Meter Vorgarten überfuhr und fast frontal in die Vorderfront eines links stehenden Einfamilienhauses krachte.

Spektakulärer Unfall

Aber so spektakulär der Unfall aussah, bei dem zum Glück niemand zu Schaden gekommen war: Die junge Frau gab an, davon nichts mitbekommen zu haben. Berauscht von Medikamenten, Cannabis und 1,0 Promille Alkohol im Blut setzte sie also ihren zum Totalschaden demolierten Wagen zurück und fuhr einfach davon – klassische Unfallflucht. Der Polizei, die auch noch einen entlarvenden „Clean-Urin“-Beutel, mit dem sich bei einem Urintest Drogenkonsum verschleiern lässt, bei ihr fand, erzählte sie damals konsterniert, ihr Parksystem habe nicht funktioniert. Am Montag vor dem Amtsgericht Wildeshausen revidierte sie das und erklärte über ihren Anwalt, sie habe gedacht, einen Bordstein überfahren zu haben.

Vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs

Die Bordstein-Erklärung fand die Richterin ziemlich „abenteuerlich“, die Angeklagte sei „mit Sicherheit im Bewusstsein eines schweren Unfalls weggefahren“. Dennoch verurteilte sie die Frau wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit Entfernen vom Unfallort und Trunkenheit am Steuer lediglich zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen. Denn immerhin: Die Fahrt selber, den Alkoholkonsum und das Kiffen gestand sie. Zudem saß sie das erste Mal vor Gericht und hat mit den sogenannten Nachtatfolgen ziemlich viel um die Ohren.

Denn der Schaden am Haus ist erheblich. 60.000 bis 70.000 Euro Reparaturkosten sollen zusammengekommen sein für die stark eingedrückte Hausfront, Küche, Heizung und Sanitäranlagen. Der Führerschein ist auch weg seit dem Unfall. Das Gericht verfügte zudem eine weitere Sperre von sechs weiteren Monaten.

Die Angeklagte selber drückte ihr Bedauern für das Geschehene aus. Ihr Anwalt Murat Kilinc erklärte, sie hätte sich damals in einer Extremsituation befunden, sie sei vor dem Unfall bedroht worden. Völlig aufgelöst muss sie damals ins Auto gestiegen sein, führte er aus. Zusammen mit dem Cocktail aus Medikamenten, Cannabis und Alkohol sei es zu diesem Aussetzer gekommen. Heute arbeite sie die Tat aber „vorbildlich“ auf, sagte er. Mit der Versicherung einigte sie sich auf einen Vergleich (rund 10.000 Euro), würde zudem an einer medizinisch-psychologischen Untersuchung teilnehmen, um die für ihren Beruf wichtige Fahrerlaubnis wiederzuerlangen. Die Angeklagte selber erklärte, nicht mehr zu kiffen, keinen Alkohol zu trinken und die Medikamente langsam abzusetzen.