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Verfahren eingestellt Dötlingen: Kein Führerscheinentzug trotz Kollision mit Bahn

Von Alexander Schnackenburg | 03.08.2015, 15:01 Uhr

Nach einer Kollision mit einer Nordwestbahn Anfang 2015 muss ein Dötlinger nun 1000 Euro an den Verein Brücke zahlen. Das Verfahren gegen den Mann wurde eingestellt.

Das Amtsgericht Wildeshausen hat am Montag das Verfahren gegen einen Autofahrer aus Dötlingen eingestellt, der mit seinem Fahrzeug an einem Bahnübergang mit einer Nordwestbahn zusammengestoßen war . Er muss lediglich 1000 Euro an den Verein „Brücke e.V. Delmenhorst“ zahlen, der jugendliche Straftäter in Delmenhorst und in Wildeshausen betreut.

22 Jahre lang täglich dieselbe Strecke gefahren

22 Jahre lang war der Mann nach eigener Aussage täglich dieselbe Strecke gefahren, überquerte dafür denselben Bahnübergang. An einem Morgen im Januar dieses Jahres aber übersah er dabei ein rotes Licht am Andreaskreuz und nahm außerdem den Achtungspfiff des Triebwagenführers der Nordwestbahn nicht wahr.

Bei Unfall verletzt

Obwohl der Bahnfahrer in die Eisen stieg, kam es zur Kollision. Sowohl der Auto- als auch der Bahnfahrer standen anschließend unter Schock. Der Autofahrer brach sich zudem eine Rippe und verlor zwei Zahnstücke, die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen ihn wegen fahrlässigen und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr.

Unübersichtlichkeit des Bahnübergangs

Am Montag zeigten der Angeklagte und sein Verteidiger dem Gericht sowie der Staatsanwältin Fotos, die belegten, wie knapp der Angeklagte mit seinem Leben davongekommen ist. Auch gelang es ihnen, die Richterin wie die Staatsanwältin von der Unübersichtlichkeit des Bahnübergangs zu überzeugen: „Man steht mit dem Auto schon auf den Schienen, wenn man etwas sehen kann“, so der Angeklagte, gegen den bis zum Zeitpunkt der Kollision mit der Nordwestbahn keine Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung registriert waren.

Schadensersatzfrage ungeklärt

Die Fotos vom Unfallort überzeugten die Richterin davon, dass der Angeklagte „schon genug abbekommen“ habe. Sie sei überzeugt davon, dass er sich künftig jedem Bahnübergang mit äußerster Vorsicht nähern werde, erklärte sie.

Mit dem Einverständnis der Staatsanwältin, die sich ihrerseits beeindruckt von den Fotos zeigte, stellte das Gericht daher das Verfahren gegen den Familienvater ein. Noch ungeklärt hingegen ist die Frage, ob und inwiefern der Nordwestbahn, deren Triebwagen durch die Kollision beschädigt worden ist, Schadenersatz zusteht.