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Vermittler zwischen den Kulturen Asylbewerber unterstützt nach Flucht Tafel in Ganderkesee

Von Tina Spiecker | 19.06.2015, 17:44 Uhr

Der 25-Jährige hofft auf Asyl und möchte sich in Deutschland eine Existenz aufbauen. Seine Wünsche für die Zukunft sind indes bescheiden.

„Das ist meins“, sagt der junge Mann mit deutlichem Akzent und ein strahlendes Lächeln breitet sich in seinem Gesicht aus. Woran er sich so erfreut, sind nur ein paar dunkelrote Strauchtomaten, die er wie einen Schatz in seinen Händen hält. Basel Taifour hat erfahren, wie es ist, nichts zu besitzen. Keine Lebensmittel, kein Zuhause, weder Wasser noch Strom. Taifour ist syrischer Kriegsflüchtling; einer von insgesamt 51, die in der Gemeinde Zuflucht gefunden haben. Hier fühlt er sich gut aufgenommen, die Verwaltung helfe viel und die Menschen seien freundlich und hilfsbereit.

Etwas zurückgeben

Ihm sei es wichtig, den Menschen etwas zurückzugeben, betont Basel Taifour immer wieder. Darum habe er erst angefangen für den Weltladen ehrenamtlich zu arbeiten ; seit zwei Monaten unterstützt er nun das Team der Tafel bei der Ausgabe der Lebensmittel. Denn dort treffen zeitweilig zwei kulturelle Welten aufeinander. Dabei nützen ihm seine mittlerweile guten Deutschkentnisse. „Er ist uns eine sehr große Hilfe, weil er wunderbar übersetzt“, freut sich Tafel-Mitarbeiterin Waltraud Bergmann. Anfangs habe er als Tafel-Kunde immer wieder mitgeholfen, bevor Waltraud Bergmann ihn fest ins Team holte.

Nur gute Erfahrungen gemacht

Ware einsortieren, ausgeben und die Nöte und Wünsche der Asylbewerber verstehen und weitergeben; jeden Mittwoch tut Taifour all dies mit großer Freude. Mit den Kriegsflüchtlingen habe man nur positive Erfahrungen gemacht, betont Bergmann. Hinter jedem Einzelnen stünden Schicksale.

Ein steiniger Weg

Vor seiner Flucht hat Taifour Jura studiert. „Das Militär hat meine Papiere zerrissen und mich zum Militärdienst gezwungen“, erzählt der junge Mann. Zusammen mit einem taubstummen Freund sei er zunächst nach Ägypten geflohen. „Dort bin ich für 20 Tage ins Gefängnis gekommen, von da aus ging es in die Türkei.“ Über Griechenland, Serbien, Mazedonien und Ungarn, per Schiff oder zu Fuß, habe er sich mit seinem Freund bis nach Deutschland durchgeschlagen.

Das Wenige wird noch geteilt

Viel mehr als die Lebensmittel, die er sich bei der Tafel abholt, ein wenig Kleidung und das Notwendigste zum Leben besitzt der junge Mann nicht. Von dem wenigen Geld, das ihm zur Verfügung steht, schickt er einen Teil in die Türkei. Dort seien seine Eltern und seine Schwester mit ihren vier Kindern, eines davon behindert, unter weniger guten Bedingungen in einem kleinen Dorf bei Istanbul untergebracht. Die Familie hofft, auch nach Deutschland kommen zu können.

Ganz bescheidene Wünsche

Der Familie seines Cousins ergehe es gerade noch schlechter, sagt er und deutet auf ein Foto auf seinem Handy: Es zeigt die Kinder auf dem nackten Boden einer ägyptischen Gefängniszelle liegend. „Das jüngste Kind ist drei Jahre alt“, sagt er mit belegter Stimme.

Gerne würde er die beengte Asylbewerberunterkunft verlassen. Aber eine Alternative gibt es nicht. Seine Wünsche sind bescheiden: „Ich möchte weiter Deutsch lernen, eine Ausbildung machen, gerne im Bereich Elektrik, eigenständig mein Geld verdienen, eine eigene Wohnung haben. Und vielleicht später einmal heiraten“.