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Verstoß gegen Betäubungsmittelgesetz Keine Strafe für Tierheim-Betreiber in Bergedorf

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 04.08.2016, 18:47 Uhr

Die Betreiber des Tierheims in Bergedorf und ein Tierarzt sind wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt worden. Das Amtsgericht Delmenhorst hat allerdings von einer Strafe abgesehen.

Unspektakulärer Ausgang eines langwierigen Verfahrens: Am Donnerstag hat das Amtsgericht Delmenhorst die Betreiber des Tierheims Bergedorf der unerlaubten Verschaffung eines Betäubungsmittels für schuldig befunden, ohne sie jedoch zu bestrafen. Ähnlich das Urteil des Gerichts über den angeklagten Ganderkeseer Tierarzt, welcher dem Ehepaar das Mittel mit dem Namen „Euthadorm“ besorgt hatte: Das Gericht sprach ihn der unerlaubten Abgabe eines Betäubungsmittels aus einer tierärztlichen Apotheke schuldig, beließ es aber bei einer Verwarnung.

Angeklagte haben unter Verfahren gelitten

Mit diesen Urteilen, so Strafrichter Thomas Pünjer in seiner Begründung, wolle das Gericht auch dem Umstand Rechnung tragen, dass alle drei Angeklagten in den letzten vier Jahren bereits reichlich unter dem Verfahren gelitten hätten, auch deswegen, weil die Boulevardpresse sowie verschiedene Internet-Foren die Ereignisse enorm aufgebauscht hätten. Dabei seien sie von einer Anklage der Staatsanwaltschaft ausgegangen, welche gar nicht zugelassen worden sei. Hiernach hätten sich die Angeklagten dafür verantworten müssen, 26 Katzen ohne Not eingeschläfert zu haben .

Nur kleinen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz

Im Zuge der Verhandlung kristallisierte sich indes ein vollkommen anderes Bild heraus, auch ging die Anklage nur noch von kleinen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz aus. Wie alle drei Angeklagten übereinstimmend einräumten, hatte der Tierarzt den Tierheim-Betreibern ein Fläschchen „Euthadorm“ für „äußerste Notfälle“ übergeben, dafür, verendende Tiere mittels Injektion von ihrem Leid erlösen zu können, wenn er, der Arzt, kurzfristig nicht zu erreichen sei.

Damit, so Pünjer, habe der Tierarzt, welcher sich inzwischen zur Ruhe gesetzt hat, zwar in eklatanter Weise gegen seine ärztliche Sorgfaltspflicht verstoßen. Allerdings habe er niemandem schaden wollen. Auch den Tierheim-Betreibern hielt Pünjer zugute, dass diese lediglich Tieren Leid hätten ersparen wollen – allerdings auf unrechtmäßigem Wege.

Vorwurf gegen Staatsanwaltschaft

Mit seinen Urteilen folgte Pünjer weitgehend den Anträgen der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte für alle drei Angeklagten Geldstrafen gefordert. Die Verteidigung warf der Staatsanwaltschaft vor, lange und öffentlich „mit Schrotflinten geschossen“ zu haben, sehr zum Schaden ihrer Mandanten. Nur ein Kügelchen sei übrig geblieben.