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Versuchter Totschlag oder „nur“ Körperverletzung? Urteil gegen„Scherenstecher“ aus Großenkneten am Dienstag erwartet

Von Alexander Schnackenburg | 17.12.2015, 19:10 Uhr

Die Frage, ob der „Scherenstecher“ wegen versuchtem Totschlag oder Körperverletzung verurteilt wird, hat das Landgericht Oldenburg beschäftigt. Das Urteil wird am Dienstag verkündet.

War es ein versuchter Totschlag oder doch „nur“ gefährliche Körperverletzung? Das ist die Schlüsselfrage, mit welcher sich das Landgericht Oldenburg um den vorsitzenden Richter Dr. Dirk Reuter derzeit im Prozess gegen einen 20-jährigen Angeklagten aus Großenkneten beschäftigt. Am kommenden Dienstag werden die Richter ihr Urteil verkünden.

Angeklagter hat mit Schere auf Kfz-Mechantroniker eingestochen

Unstrittig ist nach der Beweisaufnahme, dass der Angeklagte im späten August dieses Jahres auf einem Dorfplatz in Ahlhorn mit einer Schere auf einen angehenden Kfz-Mechantroniker eingestochen hat. Wie ein Rechtsmediziner beim gestrigen zweiten Verhandlungstag ausführte, hat der Geschädigte dabei mindestens sechs Stichwunden davon getragen, von denen zwar keine lebensgefährlich gewesen sei.

Verletzungen nach Attacke in Ahlhorn nicht lebensbedrohlich

Wohl aber habe der Angeklagte sein Opfer zweimal im Rücken und einmal nahe der Halsschlagader getroffen, also in Regionen, in welchen es leicht zu lebensgefährlichen Verletzungen komme. Aufgrund eines Einstiches in unmittelbarer Nähe des Schlüsselbeins sei zudem Luft aus der Lunge in das obere Fettgewebe der Haut eingedrungen, weshalb der Geschädigte noch immer, drei Monate nach der Tat, ein pelziges Gefühl in der Region verspüre, zuweilen auch Schmerzen. Ob dauerhafte Schäden zurückblieben, so der Rechtsmediziner, lasse sich wohl erst in weiteren rund neun Monaten sagen.

Motiv für Angriff mit Schere weiter unklar

Zuvor hatten zahlreiche Augenzeugen den Tathergang nur lückenhaft rekonstruieren können. Unklar blieb etwa das Motiv für die Übergriffe. So beurteilen Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung den Vorgang denn auch unterschiedlich. Die Staatsanwaltschaft hat gestern den Tatvorwurf des versuchten Totschlags zurückgezogen und statt dessen eine Jugendfreiheitsstrafe von drei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung für den Angeklagten beantragt.

Nebenklage hält am Vorwurf des versuchten Totschlags fest

Die Nebenklage hingegen hält an dem Vorwurf des versuchten Totschlags fest, unter anderem deswegen, weil nicht der Angeklagte vom Geschädigten abgelassen habe, sondern umgekehrt. Daher sei eine Jugendstrafe wegen versuchten Totschlags für den Angeklagten angemessen; über die Höhe der Strafe möge das Gericht entscheiden. Die Verteidigung schließlich hat eine Jugendstrafe von zwei Jahren wegen schwerer Körperverletzung für ihren Mandanten beantragt, die Vollstreckung könne auf Bewährung ausgesetzt werden.

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