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Vier-Augen-Gespräch statt SMS Evangelische Gemeinde Ganderkesee sucht neuen Pfarrer

Von Alexander Schnackenburg | 29.07.2015, 09:05 Uhr

Nachdem sich Michael Kalisch in den Ruhestand verabschiedet hat, sucht die evangelische Gemeinde einen neuen Pfarrer. Als Pfarrer i. R. bleibt er Ganderkesee treu. Die Pläne sollen andere schmieden.

In der evangelischen Gemeinde Ganderkesee kursiert ein Witz. Pastor Michael Kalisch mag ihn. Danach nennt sich ein Pfarrer im Ruhestand nicht etwa „Pfarrer a.D.“ (außer Dienst), sondern „Pfarrer i.R.“ – wobei das „i.R.“ nicht etwa für „im Ruhestand“ steht, sondern für „im Rufdienst“. An diesem Wendepunkt seines Lebens ist Kalisch nun angelangt, gab kürzlich seinen offiziellen Abschieds-Gottesdienst. 

Erst einmal eine Pause

Wer ihm im Pfarramt der evangelischen Gemeinde folgen wird, ist noch ungewiss. Kalisch wird die Entwicklung im Auge behalten: Er plant nicht, in die Wesermarsch zurückzukehren, wo er aufgewachsen ist, möchte in Ganderkesee bleiben und möchte sich zudem ehrenamtlich weiter in der Gemeinde engagieren, möglicher Weise auch als „Pfarrer i.R.“ doch noch den einen oder anderen Gottesdienst abhalten – allerdings, betont er, nach einer Pause! Es müsse schon deutlich werden, dass er nun nicht mehr offiziell in Diensten sei. Auch müsse sein Nachfolger, so er denn gefunden ist, überhaupt den Bedarf an ihm als „Pfarrer i.R.“ anmelden.

Facebook und WhatsApp sind nicht angenehm

Ohnehin hat es der scheidende Pastor nicht eilig damit, Pläne zu schmieden. Die Hektik, das Sprunghafte des heutigen Alltags, befördert durch moderne Medien wie „Facebook“ oder „WhatsApp“, sind ihm nicht unbedingt angenehm. Kalisch hat in seinen immerhin 33 Jahren als Pfarrer der evangelischen Gemeinde Ganderkesee erleben müssen, wie seine Gemeinde eine ihrer ehedem sechs Pfarrstellen verlor, und beobachtet weiterhin, wie es die Kirche allgemein immer schwerer hat, ihre Mitglieder zu halten und neue hinzuzugewinnen.

Er führt diese Entwicklung auch auf die rückläufige Bereitschaft der Menschen, sich zu binden, zurück. Die flüchtige Kommunikation via SMS oder Chat anstelle persönlicher Vier-Augen-Gespräche spiegelt diese Tendenz in seinen Augen nicht nur wider, sondern treibt sie gar voran.

Persönlicher Umgang fasziniert

Der persönliche Umgang mit den Menschen aber ist es gerade gewesen, der ihn an seinem Beruf immer fasziniert hat, wie er sagt. Gerade die – mitunter schwierige – Seelsorge habe ihm viel gegeben, hätte er hierbei doch stets das Gefühl gehabt, etwas Wichtiges zu tun.

Einfach machen statt immer planen

Überhaupt nicht fehlen hingegen werde ihm das viele Planen, das zum Beruf des Pfarrers dazugehöre – und womit er eben nun, im Ruhestand, auch nicht anfangen wolle. Auch die Kirche, glaubt er, brauche weniger neue Konzepte als Leute, die einfach anfangen und persönlich auf die Menschen zugehen. So hat es Michael Kalisch immer gehalten, so soll es auch bleiben.