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Vom Kokain abhängiger Dealer Drogensüchtigem Ahlhorner bleibt nur das Gnadengesuch

Von Ole Rosenbohm | 23.11.2018, 16:31 Uhr

Drogen bestimmten sein Leben, auch sieben Entzüge halfen nicht: Jetzt musste sich ein süchtiger Dealer vor Gericht verantworten. Kommt er ein weiteres Mal um eine Haftstrafe herum?

Drogen bestimmten sein Leben, bis jetzt kam der 35-Jährige aus Ahlhorn nicht von ihnen los. Allein in diesem Jahr, berichtete er jetzt als Angeklagter vor dem Landgericht Oldenburg, habe er sieben Rückfälle mit Kokain gehabt. Zurzeit befindet er sich in einer Therapie. In seiner Gerichts-Biografie finden sich 23 Urteile, meist ging es um Besitz oder Handel, auch um Beschaffungskriminalität. Zuletzt wurden Urteile seltener.

Immer wieder Rückfälle erlitten

Dann ein Rückfall vor einem Jahr. Der Mann weiß, dass das immer passieren kann. Um seine Kinder zu schützen, sagte er, lebe er von seiner Familie getrennt, obwohl er mit der Mutter weiter zusammen ist.

Jetzt, vor dem Berufungsgericht, musste er sich verantworten, um eine vom Amtsgericht Delmenhorst verhängte Haft- in eine Bewährungsstrafe umzuwandeln. Drei Monate Haft ohne Bewährung hatte ihm die erste Instanz für den Besitz von 50,6 Gramm Marihuana und 1,6 Gramm Kokain aufgebrummt. Erwischt worden war er mit den Drogen am Delmenhorster Bahnhof.

Gericht spricht Haftstrafe aus

Eine Haftstrafe deshalb, weil ihm kurz vorher ein anderes Amtsgericht für den Anbau einer Cannabispflanze noch eine Bewährungsstrafe zugestanden hatte.

Das Landgericht bestätigte nun das Urteil aus Delmenhorst. Und das hat Folgen: Weil bei insgesamt fünf Bewährungsstrafen – darunter Reststrafen aus 2009 – die Bewährungszeit noch nicht abgelaufen ist und die wegen des aktuellen Urteils wohl allesamt widerrufen werden, wird er nun vermutlich für weit über ein Jahr ins Gefängnis müssen. Gift für seine Therapie.

Seine Bewährungshelferin hatte sich auch deshalb für Bewährung ausgesprochen. Ohnehin redete sie in hohen Tönen von ihrem Mandanten.

Mühsamer Kampf gegen die Sucht

Über seine Zuverlässigkeit, seinen Willen, die Vertrautheit zwischen beiden, seinen Kampf um einen gerade für einen mehrfach Rückfälligen wie ihn schwer zu erlangenden Therapieplatz: „Respekt für das, was Sie auf die Beine gestellt haben.“ Er wolle unbedingt ein drogenfreies Leben, sagte sie.

Aber die Sucht hält ihn in Griff: Trinkt er Alkohol, greift er zu Koks. Siebenmal in diesem Jahr. Meist lässt er sich dann gleich einweisen. Die stationäre Therapie, die wenige Tage vor dem Prozess begann und die etwa ein halbes Jahr dauern wird, wird er trotz des Urteils zu Ende machen können.

Abhängig von verbotenen Mitteln

Denn bei Drogenabhängigen können Haftsachen für Therapien zurückgestellt werden. Auch ein Gnadengesuch hätte eine Chance, sagte die Richterin. Die Bewährung verweigerte sie ihm aber, weil sie keine Wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent für ein straffreies Leben bei ihm sah, ausschlaggebend für eine positive Sozialprognose. Wie könnte sie auch? Der Mann ist schließlich abhängig von verbotenen Mitteln.