Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Vom Rhein in die Gemeinde Ganderkesee Künstler Juchem feiert in Heide seinen 90. Geburtstag

Von Thomas Deeken, Thomas Deeken | 20.06.2017, 08:31 Uhr

Der Maler und Grafiker Gerhard Juchem feiert am Dienstag, 20. Juni, seinen 90. Geburtstag. Der Jubilar stammt aus Unkel am Rhein, ist aber seit vielen Jahren in Heide in der Gemeinde Ganderkesee zu Hause. Von ihm stammen rund 300 Werke.

Im Frühjahr 2016 hat er sich als Künstler aus der Öffentlichkeit verabschiedet. Mit der Ausstellung „Loslassen“, bei der er im Kulturhaus Müller rund 40 Werke - Anatomie- und Aktstudien, aber auch Aquarelle, Gemälde und Radierungen - zeigte, die bis dahin noch nicht zu sehen waren. „Losgelassen“ hat er tatsächlich. Seine letzte Radierung: ein Harlekin aus dem Jahr 2015, der einen Stift fallen lässt. Seitdem verschafft sich der Maler und Grafiker Gerhard Juchem einen Überblick über sein künstlerisches Lebenswerk und hat rechtzeitig zu seinem nächsten runden Geburtstag eine „Retrospektive“, einen Katalog mit 103 Abbildungen mit einem Querschnitt seines Schaffens, vorgelegt. Am Dienstag, 20. Juni, wird der Künstler 90 Jahre alt. Er feiert in seinem Haus in Heide in der Gemeinde Ganderkesee mit seiner Frau Irene, seinen Kindern Claudia, Roland und Elmar sowie sechs Enkelkindern, mit Freunden und Bekannten.

Geboren in Unkel am Rhein

Geboren wird Juchem 1927 in Unkel am Rhein, ganz in der Nähe, wo einst die Brücke von Remagen stand. Er ist Schüler des Malers Josef Arens, der ihm die künstlerischen Techniken des Zeichnens und Malens vermittelt. Und noch bevor er 1950 ins Studium an der Kunstschule Alsterdamm in Hamburg geht, entstehen vor genau 70 Jahren die ersten Werke mit Motiven aus seiner rheinischen Heimat wie „Blick auf den Drachenfels“ und „Unkel am Rhein“.

Leiter in Werbeabteilung

Freier Künstler wird Juchem nicht. Vielmehr lässt er sich als Atelierleiter in einer Bremer Werbeabteilung nieder, übernimmt danach die Öffentlichkeitsarbeit der Zentrale internationaler ökumenischer Basisgruppen in Frankfurt und kehrt 1972 in den Norden zurück, um sich der Aufgabe als Leiter der Werbeabteilung in der Investitionsgüterindustrie in Bremen zu widmen.

Rund 300 Werke

Nach der Pensionierung startet der Rheinland-Pfälzer künstlerisch durch – „bewusst und klar mit einer Portion Humor, die eine rheinische Färbung in sich trägt“, wie Kunsthistorikerin Dr. Wiebke Steinmetz von der regioVHS Ganderkesee-Hude beschreibt. Bis heute entstehen rund 300 Werke: Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen, Skizzen, Plakate. Viele mit einer eigenen Geschichte und einer ganz persönlichen Note. So wie bei Juchems ausgedienten Gebirgsjägerschuhen aus dem Kriegsjahr 1945 mit der detaillierten Wiedergabe des Rindleders mit seinen Adern und den geschmiedeten Nägeln unter der Sohle.

Auf Weltreise

Er begibt sich auf Weltreise, porträtiert Menschen aus Hongkong, Südafrika und Guatemala, ist fasziniert vom roten Abendhimmel in Frankreich, den er in seinem Werk „Vienne an der Rhone“ verewigt, malt ein Flamenco-Spektakel, Schiffe, Blumen, Landschaften und immer wieder religiöse Motive. Wie zur Karfreitagsliturgie in St. Katharinen in Schönemoor. „Ja, ich bin ein religiöser Mensch“, sagt er.

150 Plakate entworfen

Darüber hinaus entwirft Juchem rund 150 Plakate zu sozialen, ethischen und religiösen Themen. Und für die Malteser das Plakat mit dem von ihm stammenden Slogan „Malteser helfen HELFEN“ sowie für Radio Vatikan das Plakat mit der Aufforderung „Um Himmels Willen – hört Radio Vatikan“. Sein Kommentar: „Wortspiele liegen mir auch ein bisschen.“ Und er wird politisch wie in einem seiner letzten Werke „Waffen verhöhnen den Frieden“ mit der abstürzenden Friedenstaube, der Raketen entgegenkommen.

Kunstschatz wird geordnet

Seit „Loslassen“ ist kein neues Werk entstanden. Eine weitere Ausstellung ist auch nicht in Sicht. Jetzt ordnet Juchem seinen Kunstschatz. Und dann? Was passiert mit allen Werken? „Mal sehen, vielleicht gibt es eine Stiftung?“, so der Heider. „Vielleicht interessiert sich auch meine Heimatstadt Unkel? Oder Ganderkesee?“