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Vor allem Menschen vom Balkan betroffen 150 Asylbewerber aus Landkreis Oldenburg wieder zurückgereist

Von Thomas Deeken, Thomas Deeken | 30.03.2016, 19:06 Uhr

Von den zahlreichen Menschen, die in den vergangenen Monaten in den Landkreis Oldenburg gekommen sind und Asyl beantragt haben, sind seit Oktober 2015 knapp 150 wieder zurückgereist – davon allein 22 Personen aus der Gemeinde Ganderkesee. Das hat Jürgen Meyer, stellvertretender Leiter des Kreisordnungsamtes, auf dk-Anfrage mitgeteilt.

Von den zahlreichen Menschen, die in den vergangenen Monaten in den Landkreis Oldenburg gekommen sind und Asyl beantragt haben, sind seit Oktober 2015 knapp 150 wieder zurückgereist – davon allein 22 Personen aus der Gemeinde Ganderkesee. Das hat Jürgen Meyer, stellvertretender Leiter des Kreisordnungsamtes, auf dk-Anfrage mitgeteilt.

Die meisten von ihnen seien freiwillig gegangen. Nur ein geringer Teil sei nach einem abgelehnten Asylantrag abgeschoben worden, sagt Oliver Oehling von der Ausländerbehörde, der nach eigenen Worten „zuständig für die Aufenthaltsbeendigung ist“ und die Rückreise der Personen organisiert. Die Zahl der Menschen, die zurückreisten, werde sich in der nächsten Zeit weiter erhöhen, zumal Asylanträge mittlerweile schneller bearbeitet würden.

Die meisten Menschen kommen aus Balkanstaaten

Der Großteil der rund 150 Personen komme aus sicheren Herkunftsländern, aus Balkanstaaten wie dem Kosovo, Albanien, Montenegro oder Serbien. Es sei aber auch eine Handvoll Menschen aus dem Irak, dem Iran und Pakistan mit dabei. Einige von ihnen würden gar nicht erst das Asylverfahren abwarten und beispielsweise aus familiären Gründen wieder nach Hause wollen – weil sie Heimweh hätten oder weil sie sich den Aufenthalt im neuen Land doch ganz anders vorgestellt hätten, so Oehling.

Bei freiwilliger Rückreise Chance auf Wiederkehr

Beim überwiegenden Teil der Asylbewerber habe es jedoch negative Bescheide beim Asylverfahren gegeben. Mit der Konsequenz, Deutschland wieder verlassen zu müssen. Oehling spreche dann mit allen, um die Reise in ihr Heimatland zu organisieren, und rate ihnen – was wegen des abgelehnten Asylantrags auf den ersten Blick paradox klingen mag – freiwillig zu gehen. Der Hintergrund: Es gebe keinen Pass-Vermerk. Menschen, die gegen die Ablehnung ihres Asylantrages klagen und sich gegen eine Ausreise wehren, erhalten dagegen nach Angaben des Experten der Wildeshauser Ausländerbehörde einen Vermerk im Pass und eine Einreisesperre. Wer freiwillig gehe, habe die Chance, möglicherweise irgendwann einmal wieder zurückzukommen – vorausgesetzt, er habe sich während seiner Zeit in Deutschland darum gekümmert, einen Job zu bekommen. Das müsse aber dann im Detail über die deutschen Botschaften in den Balkanländern geregelt werden. Das Ganze laufe unter dem Stichwort Arbeitsmigration. „Von diesem Job muss man dann in Deutschland aber auch leben können“, so Oehling.

Informationen über die Rückreise

In den Gesprächen mit Oehling seien viele geknickt. Einige seien aber auch gefasst, weil sie inzwischen wüssten, dass Menschen aus den Balkan-Ländern so gut wie keine Chance hätten, in Deutschland als Asylbewerber anerkannt zu werden. „Krawall hat es in den Gesprächen aber noch nicht gegeben“, betont Oehling. Schließlich sei die Entscheidung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefallen und nicht im Landkreis Oldenburg. Er diskutiere nicht über das Warum und Wieso einer Ablehnung. Er informiere darüber, wie die Personen wieder zurückreisen könnten, organisiere Flug- oder Bustickets über die Internationale Organisation für Migration (IOM) und gebe Informationen über wichtige Anlaufstellen in der Heimat und über Rückkehrprojekte wie beispielsweise URA2 im Kosovo. „Geldgeschenke gibt es aber nicht“, stellt Oehling klar. Und die Fahrt zum Flughafen müssten die Menschen sogar aus eigener Tasche bezahlen.