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Vorstand: „Regeln missachtet“ Flüchtlinge bevorzugt? Tafel wirft Ehrenamtliche in Ganderkesee raus

Von Thorsten Konkel | 12.11.2015, 21:08 Uhr

Mit der „Nichteinhaltung von Richtlinien“ begründet die Tafel die Trennung von Fritz-Werner und Waltraud Bergmann. Das Ehepaar setzt sich stark für die Integration von Flüchtlingen ein.

Mit sofortiger Wirkung hat sich der Vorstand der Delmenhorster Tafel von den ehrenamtlichen Mitarbeitern Fritz-Werner und Waltraud Bergmann in seiner Ganderkeseer Ausgabestelle getrennt.

Das Ehepaar hat sich in den letzten Monaten in Ganderkesee stark für die Integration von Flüchtlingen eingesetzt, darunter auch für die Versorgung der Menschen aus anderen Ländern, die nicht in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind.

Aufkündigung der Mitarbeit

Die Aufkündigung der ehrenamtlichen Mitarbeit begründete die Tafel-Vereinsvorsitzende Walburga Bähre am Donnerstag auf dk-Nachfrage mit der „Nichteinhaltung von Richtlinien“ sowie „Unregelmäßigkeiten bei der Erfassung der Berechtigten“.

Dabei geht es um die Bevorzugung von Flüchtlingen: So seien individuell ausgegebene Bezugsausweise teils von mehreren Personen genutzt worden. Auch hätten sich langjährige Tafelgäste zuletzt immer häufiger über eine Besserstellung von Flüchtlingen zu ihren Lasten beschwert.

Gleichbehandlung oberstes Gebot

„Alle Tafelgäste müssen gleich behandelt werden, und dazu gehört es auch, dass die jeweiligen Berechtigungen für den Bezug von Lebensmitteln, etwa Asylbescheinigungen, vorgelegt und erfasst werden“, sagte Bähre. Zuletzt habe man auch keine gemeinsame Basis mehr gefunden, räumte sie ein.

„Wir haben uns in der Sache nichts vorzuwerfen“, beteuerte Fritz-Werner Bergmann am Donnerstag. Die von ihm und seiner Frau betreute Ganderkeseer Ausgabestelle sei immer gut gelaufen, sagte er. „Eventuell ja zu gut“, stellte er in den Raum.

Erfolgreiche Arbeit vor Ort

Vom Erfolg der Arbeit der Tafel vor Ort hatten die Bergmanns und ein weiterer syrischer Ehrenamtlicher erst in der vergangenen Woche dem Bundesvorstand der Tafeln in Berlin anlässlich des Deutschen Tafeltags berichtet.

323 Bedürftige in Ganderkesee

Derzeit gehören laut Bergmann rund 70 Prozent Flüchtlinge zu den aktuell 323 Tafelgästen, unter ihnen 233 Erwachsene und 99 Kinder. Weil infolge des Rauswurfs weitere Ehrenamtliche in Ganderkesee das Handtuch geworfen hätten, sorge er sich nun um die Zukunft dieser Bedürftigen in der Gemeinde, erklärte er.

Die Verwaltung mische sich nicht in vereinsrechtliche Angelegenheiten ein, machte Rainer Heinken, Fachdienstleiter Soziales deutlich. „Die Ausgabestelle erfreut sich aber nach unseren Erkenntnissen eines ausgezeichneten Rufs“, sagte er. Jede Unstimmigkeit könne in diesen Zeiten aber Unruhe in den Ort bringen.

Versorgung läuft weiter

Diese Bedenken teilt Walburga Bähre nicht. „Wir können die Arbeit auch mit anderen Ehrenamtlichen leisten“, stellte sie klar.