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Vortrag der Lebenshilfe „Persönliche Budget“ unterstützt selbstbestimmtes Leben

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 22.06.2016, 19:01 Uhr

Irene Goldschmidt von der Lebenshilfe hat am Dienstag über das „Persönliche Budget“ im Rathaus referiert. Die Referentin stellte dabei die Vorzüge der seit 2008 möglichen Form der Leistungserbringung für Hilfsbedürftige vor.

„Geld statt Sachleistungen“ laute die Formel hinter dem „Persönlichen Budget“, auf das Hilfsbedürftige seit 2008 einen Rechtsanspruch in Deutschland genössen, sagt Irene Goldschmidt von der Lebenshilfe Delmenhorst. Um das Prinzip zu erklären, führt sie das Beispiel eines Gehörlosen an, der einen Gebärdendolmetscher benötige.

Hilfsbedürftige als Arbeitgeber

Naturgemäß wolle dieser Gehörlose in der Regel gern selbst entscheiden, wer seine – zum Teil zutiefst persönlichen – Anliegen übersetze. Doch die institutionellen Dienstleister arbeiteten nun einmal mit festem Mitarbeiterstamm, sodass der Gehörlose mit jenen Dolmetschern vorliebnehmen müsse, die die Firmen eben beschäftigten. Verfüge er hingegen über ein „Persönliches Budget“, könne er seinen „Lieblings-Übersetzer“ engagieren. Das Budget versetze den Hilfsbedürftigen in die Lage eines Arbeitgebers.

Neue Form der Leistungserbringung

Etwa zehn Zuhörer waren ins Rathaus gekommen, um trotz der Live-Übertragung des Fußball-Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Nordirland Goldschmidts Vortrag vor dem Arbeitskreis der Selbsthilfe- & Initiativgruppen der Gemeinde Ganderkesee über das „Persönliche Budget“ zu verfolgen. Die Referentin legte Wert auf die Feststellung, dass es sich bei diesem „Persönlichen Budget“ nicht etwa um eine neue Leistungsart handele, sondern lediglich um eine neue Form der Leistungserbringung, die der Bedürftige seit 2008 in Deutschland in Anspruch nehmen könne. Grundsätzlich gehe es um das Grundrecht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in möglichst selbstbestimmter Form.

„Persönliches Budget“ selten genutzt

Trotz der Vorzüge, die das „Persönliche Budget“ gerade in puncto Selbstbestimmung gegenüber klassischen Sachleistungen mit sich bringe, werde es bislang jedoch relativ selten genutzt, stellte Goldschmidt in Ganderkesee fest. Sie glaubt, dass einer der Gründe hierfür in den rechtlichen und technischen Anforderungen liege, die mit der Verwaltung eines „Persönlichen Budgets“ einher gingen. Daher verwies Goldschmidt nachdrücklich auf die – inzwischen ebenfalls rechtlich sichergestellte – Option, sich einen „Budgetassistenten“ zu suchen, der bei der Verwaltung des Budgets hilft.