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Vortrag im Gymnasium Ganderkesee Dörfer in Ganderkesee sterben im Bauboom der Zentren

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 17.08.2016, 22:27 Uhr

Ganderkesee wächst im Ganzen, aber Bauerschaften schrumpfen. Professor Rademacher stellt in einem Vortragsabend der Bürgerstiftung Zusammenhänge dar.

Der Oldenburger Hochschullehrer Klaus Rademacher betont das „Noch“, wenn er vom Wachsen der Gemeinde Ganderkesee spricht. Und er rät dringend, genau hinzuschauen, wo sich das Wachstum abspielt und unter welchen Bedingungen. „Es gibt Zuwächse in den Siedlungsschwerpunkten.

Schrumpfende Bauerschaften

Gleichzeitig schrumpfen einige Bauerschaften. Da muss es Leerstände geben oder einzelne Personen, die in viel zu großen Immobilien leben“, sagt der Professor der Jade-Hochschule in Oldenburg, der auf den Gebieten Gebäudemanagement, Nachhaltigkeit, Gebäudekunde und Baukonstruktion lehrt und forscht. Bei seinen Worten hat er den Blick auf die jüngsten Zahlen zur Bevölkerungsstatistik gerichtet.

Demografischer Wandel und Zuzug von Flüchtlingen

Bei seinen Ausführungen hat der Professor immer den demografischen Wandel im Hinterkopf, die Tendenz zur alternden Gesellschaft, das „Schwarmverhalten“ junger Leute, die auffliegen und in Neubaugebieten landen, aber auch die Auswirkungen und Chancen, die sich aus dem Zuzug von Flüchtlingen ergeben.

Faktor Werterhalt der Immobilien

In einem Vortrag der Bürgerstiftung Ganderkesee will Rademacher am Donnerstag, 25. August, ab 19 Uhr in der Aula des Gymnasiums Ganderkesee davor warnen, in der Bauleitplanung auf das kurzfristige Auftauchen Bauwilliger mit neuem Bauland zu reagieren. Er will das Augenmerk auf die Werterhaltung von Immobilien im Laufe ihres Lebenszyklus richten. Warnendes Beispiel ist für ihn Südniedersachsen. „Goslar hat eine Vielzahl leerer Schrottimmobilien an den Hacken. Und in Northeim fallen die Immobilienpreise ins Bodenlose“, sagt er.

Faktor Infrastruktur

Die Werterhaltung hänge wesentlich von der Infrastruktur ab, vom Zugang zum schnellen Internet zum Beispiel, vom öffentlichen Personennahverkehr und vom Erhalt der Kanalisation. „Was nützt es dem verbliebenen Bewohner einer Immobilie im ländlichen Raum, wenn sein großes Haus nicht zum Preis einer kleinen Wohnung in einem Ortskern zu verkaufen ist?“, fragt Rademacher.