Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Vortrag in Ganderkesee Palliativmedizin: Den letzten Tagen mehr Leben und Würde geben

Von Dirk Hamm | 21.10.2018, 15:09 Uhr

Den Tagen mehr Leben, nicht dem Leben mehr Tage geben – das ist das Ziel der Palliativmedizin. Seit zehn Jahren wird nach diesem Grundsatz in der Palliativstation des Josef-Hospitals Delmenhorst (JHD) gehandelt.

In einem dank eingefügter Originalaussagen von Betroffenen teilweise unter die Haut gehenden Vortrag im Alten Rathaus gewährte Dr. Ales Stanek, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Palliativmedizin und Schmerztherapie am JHD, tiefe Einblicke in die Arbeit der Palliativstation.

Palliative Sedierung lindert unerträgliche Schmerzen

Stanek sprach auf Einladung des Seniorenbeirats der Gemeinde Ganderkesee vor rund 40 Zuhörern im voll besetzten Saal. Organisiert wird die Vortragsreihe von Erika Lisson. Die Palliativmedizin vorzustellen, war ihr eine Herzensangelegenheit. Denn die Ganderkeseerin ist selbst eine Betroffene, ihr Mann, Uwe Lisson, verstarb vor zwei Jahren nach schwerer Krankheit. Mit der sogenannten palliativen Sedierung wurde sein Bewusstsein in der letzten Phase so weit gedämpft, dass trotz unerträglicher Schmerzen ein Sterben in Würde möglich wurde.

Palliativversorgung Thema in Gesprächen mit pflegenden Angehörigen

„Ich bin dankbar dafür, dass es diese Möglichkeit gibt“, sagt Erika Lisson, die auch als ehrenamtliche Lotsin für pflegende Angehörige in Gesprächen immer wieder mit dem Thema Palliativmedizin in Berührung kommt. Lisson: „Beraten dürfen wir nicht, aber wir zeigen den Angehörigen die richtigen Wege auf, und diese können zum Beispiel auch zur Palliativstation führen.“

Palliativstation ein Ort zum Leben

Stanek hob in seinem Vortrag mehrfach hervor, dass die Palliativstation kein Ort zum Sterben sei, auch wenn rund die Hälfte der aufgenommenen Patienten in der Station versterbe. Es gehe vielmehr darum, mit einer Vielzahl von Ansätzen die Lebensqualität in der letzten Lebensphase so gut wie möglich aufrechtzuerhalten. Neben der medikamentösen Behandlung der Symptome – vor allem starke Schmerzen, Luftnot und Angst – reicht das Spektrum von der Physiotherapie und Ergotherapie über belebende Hand- und Fußmassagen oder die Aromatherapie bis hin zur psychologischen Betreuung und Seelsorge.

Möglichkeiten der Palliativmedizin wirken beruhigend

Der Chefarzt ging auch auf die palliative Sedierung ein. Auch in Abgrenzung zur in Holland oder Schweiz legalen Sterbehilfe machte Stanek deutlich, dass es zwar nicht das Ziel sei, auf diese Weise den Tod herbeizuführen, diesen in Kauf zu nehmen, sei aber regulär. Für viele Betroffene sei es beruhigend, zu wissen, dass es diese Option in Deutschland gibt.