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Vortrag in Stenum Frauen auf dem Land stärker von Altersarmut bedroht

Von Biljana Neloska | 12.11.2018, 18:23 Uhr

Ganderkesee Landwirtin Ute Holschen spricht am Dienstag, 13. November, in einem Vortrag über Lohnungleichheit und Altersarmut. Im Interview erklärt sie, warum diese Themen eine besondere Bedeutung für Frauen auf dem Land haben.

 dk: Lohnungleichheit und Altersarmut – warum sind diese beiden Themen besonders wichtig für die Landfrauen?

Ute Holschen: Der Deutsche Landfrauenverband hat 500.000 Mitglieder in 12.000 Ortsvereinen, ist also ein starkes Netzwerk mit gesellschaftlicher Kraft. Statistisch gesehen verdienen Frauen 16,26 Euro und Männer 20,71 Euro brutto ohne Zulagen. Frauen verdienen also im Durchschnitt 21,5 Prozent weniger als Männer. Diese Lohnlücke führt zu einer Rentenlücke von zirka 60 Prozent, das bedeutet drohende Altersarmut und Abhängigkeit vom Partner oder Staat. Es ist wichtig über diese Themen zu sprechen, für die Verbesserung der sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Situation der Frauen auf dem Lande.

 Sind Landfrauen in dieser Region besonders gefährdet?

In den ländlichen Regionen ist das Lohngefälle zwischen Mann und Frau noch höher. Gründe dafür ist die stärker ausgeprägte traditionelle Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen, weniger Unternehmen auf dem Land, fehlender Wettbewerb und Jobvielfalt. Zudem bedeuten längere Pendelzeiten weniger Zeit für Kinder. Und nach der Elternzeit kommen häufig nur noch Minijobs und Teilzeitarbeit in Frage.

 Wie können diese Probleme gelöst werden?

Zum Beispiel sollte der Gesetzgeber eine Versicherungspflicht bei Minijobs einführen. Arbeitgeber müssten bessere Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit und Home Office anbieten. Die Gesellschaft sollte sich dafür einsetzen, dass mehr Mädchen in Männerberufe kommen. Und Familien sollten sich um die partnerschaftliche Aufteilung der Erwerbs-, Haushalts- und Familienarbeit bemühen.

 Worauf legen Sie bei Ihrem Vortrag den Fokus?

Frauen für das Thema zu sensibilisieren und aufzuzeigen, was die Ursachen für Lohnungleichheit sind. Wie Berufs- und Branchenwahl, Bildung und Qualifikation, Beschäftigungsumfang und regionale Einflüsse.

 Was sollen die Frauen daraus mitnehmen?

Augen auf bei der Berufs- und Branchenwahl, Erwerbsumfang steigern, Erwerbsunterbrechungen verkürzen, Selbstbewusstes Auftreten bei Bewerbungen und Lohnvorstellungen.

Zur Person: Ute Holschen ist Landwirtin aus Ganderkesee und ist Mitglied im Fachausschuss Familie und Gesellschaft. Regelmäßig hält sie öffentliche Vorträge zu diesen Themen. Sie ist 55 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder und drei Enkelkinder.

Der Vortrag „Lohnungleichheit und Altersarmut“, den Ute Holschen hält, findet am Dienstag, 13. November, ab 14.30 Uhr bei Backenköhler, Dorfring 40, in Stenum statt. Der Eintritt ist frei.