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Vortrag über Zukunft Ganderkesees Demografischer Wandel große Herausforderung für Gemeinde

Von Dirk Hamm | 26.08.2016, 19:09 Uhr

Einen spannenden Blick in die Zukunft der Gemeinde Ganderkesee hat am Donnerstag der Forscher Professor Klaus Rademacher geworfen. Der Huder, der seit mehr als 30 Jahren an der Jade Hochschule Oldenburg auf den Gebieten Liegenschaftsverwaltung, Nachhaltigkeit und Gebäudekunde lehrt, zeichnete auf Einladung der Bürgerstiftung Ganderkesee in der Aula des Gymnasiums das Bild einer Kommune, die in den kommenden Jahrzehnten mit großen Herausforderungen fertig werden muss.

Leer stehende Häuser und dramatischer Wertverlust bei den Immobilien auf der einen Seite, Wohnungsknappheit und kaum bezahlbare Mieten an anderer Stelle: Auf beide Entwicklungen müssen sich die Planer und Verantwortlichen in ländlichen Gemeinden künftig einstellen. Grund ist die Bevölkerungsentwicklung, erläuterte der Professor, Stichwort: demografischer Wandel. Um voraussichtlich 200.000 Menschen werde die Bevölkerung in Niedersachsen bis 2030 schrumpfen. Gleichzeitig sorge das „Schwarmverhalten“ dafür, dass es in „angesagten Orten“ enger wird. Oldenburg etwa werde im Jahr 2030 8400 Einwohner mehr als jetzt haben, so die Prognosen der Forscher.

Bevölkerungsrückgang hier, Zunahme dort

Für Ganderkesee geht Rademacher von einem leichten Rückgang um 195 Einwohner in den kommenden 14 Jahren aus. Dramatischer stellt sich das Bild beim Blick in die einzelnen Ortsteile dar: Im Gemeindenorden werde Bookholzberg der Gewinner sein, vor allem Habbrügge und Elmeloh II müssten dagegen mit einem kräftigen Bevölkerungsminus rechnen. Im Süden werde es diesbezüglich fast nur Verlierer geben. Bereits jetzt balle sich die Bevölkerung der Gemeinde in den Kernorten Ganderkesee, Bookholzberg und Heide, mit der Folge, dass sich der Wohnraum dort stark verteuert.

Sollen alle Bauerschaften erhalten bleiben?

In den zunehmend dünner besiedelten Randgebieten werde es immer schwerer, eine wirtschaftlich tragbare Infrastruktur vorzuhalten, sagte Rademacher. Beispielsweise werde der Preis für das Trinkwasser dramatisch ansteigen. „Ist es sinnvoll, alle Bauerschaften zu erhalten?“ – auf diese provokante Frage spitzte der Experte seine Ausführungen zu. Eine eindeutige Antwort lieferte er jedoch nicht. Eine mögliche Reaktion auf den Abwanderungstrend sei jedoch das Konzept der „digitalen Dörfer“, das von einem wissenschaftlichen Institut entwickelt wird und durch digitale Lösungen bis hin zur Telemedizin den ländlichen Raum attraktiv halten soll.