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Wellness-Hotel, Bauland, Camping Was wird aus dem Diakonie-Gelände in Wildeshausen?

Von Vincent Buß | 23.01.2019, 18:43 Uhr

Mehrere Häuser der Diakonie Himmelsthür in Wildeshausen sollen abgerissen werden. Es gibt verschiedene Ideen, was mit dem attraktiven Gelände geschehen könnte.

"Nicht mehr zukunftsfähig" sind laut dem Regionalgeschäftsführer der Diakonie Himmelsthür, Jörg Arendt-Uhde, die meisten Gebäude der Einrichtung an der Dr.-Klingenberg-Straße in Wildeshausen. Dort leben Menschen in verschiedenen Arten von Betreuung, in Hochzeiten bis zu 411 Personen. Arendt-Uhde erklärt:

„"Solange es keine Nachnutzung gibt, werden die alten Häuser leergewohnt und abgerissen."“
Jörg Arendt-Uhde, Regionalgeschäftsführer der Diakonie Himmelsthür

Die Diakonie habe jedenfalls kein Interesse, sagt der Regionalgeschäftsführer. Bereits im kommenden Jahr soll das Haus Cloppenburg dem Erdboden gleichgemacht werden. Das Haus Emsland und das Haus Dümmer könnten folgen. Ausnahmen sind laut dem Regionalgeschäftsführer zum einen das Haus Herzogin Elisabeth, weil es bereits grundsaniert sei. Das Haus Waldfrieden soll zwar nicht mehr von betreuten Menschen bewohnt werden, könnte stattdessen aber Freiwilligendienstleistenden als Unterkunft dienen. Die Diakonie Himmelsthür verabschiedet sich also nicht gänzlich von der Dr.-Klingenberg-Straße.

Was mit den Flächen geschehen soll

Durch die Abrisse entstehen freie Flächen auf dem attraktiven Gebiet, das nordwestlich der Kernstadt liegt und von Wald umgeben ist. Ideen, was damit geschehen könnte, liefert das städtebauliche Entwicklungskonzept "Wildeshausen 2030". Dieses wurde laut Hans Ufferfilge, Pressesprecher der Stadt Wildeshausen, von Politik, Verwaltung und Bevölkerung gemeinsam entwickelt.

infobox id="dialog_id_ca2e5c01-f291-493f-bbef-98554acfb210" title="Ideen für das Diakonie-Gebiet" headline="" content="Das Entwicklungskonzept "Wildeshausen 2030", veröffentlicht auf der Website der Stadt, macht folgende Vorschläge für die freiwerdende Fläche an der Dr.-Klingenberg-Straße:

  • ein "Tagungshotel im gehobenen Bereich", eventuell mit angelagertem "Wellness-Hotel mit zahlreichen Naherholungsmöglichkeiten"
  • eine "Gruppenunterkunft für Schulklassen, Betriebs- und Vereinsausflügler", kombinierbar mit Wohnmobilstellplätzen und Camping-Angeboten
  • eine Hochschulen-Außenstelle
  • eine Therapieeinrichtung
  • ein Wohngebiet" toggle-status="default_opened">

Dass also Privatleute dort bauen könnten, ist laut Ufferfilge nicht ausgeschlossen. "Die Überlegungen müssen aber noch ausgelotet werden", sagt der Pressesprecher. Ein Arbeitskreis, wiederum aus Politik, Verwaltung und Bevölkerung, beschäftige sich mit den Vorschlägen. "Es ist noch ein ganz offener Prozess", betont Ufferfilge.

Das sind die Pläne der Diakonie Himmelsthür

Auch die Diakonie nutzt den Umstand, dass die Häuser abgerissen werden sollen, um gleichzeitig die Konversion voranzutreiben: Ein Vertrag mit der Aktion Mensch sieht vor, dass sich die Großeinrichtung an der Dr.-Klingenberg-Straße in mehrere, kleinere Wohnangebote umwandelt. Das soll einen Beitrag zur Inklusion leisten.

Insgesamt plant die Diakonie Himmelsthür momentan, 240 weitere Plätze umzuwandeln. Dafür sucht sie immer noch Grundstücke und stellt Förderanträge. Den Großteil der Kosten muss das Unternehmen nach eigenen Angaben jedoch selbst aufbringen. Die Aktion Mensch hat laut Arendt-Uhde mittlerweile ebenfalls erkannt, dass die Konversion im ländlichen Raum schwieriger umzusetzen sei. Deswegen wurde der Vertrag zwischen ihr und der Diakonie Himmelsthür bis 2023 verlängert.

Fest steht bereits, dass hinter dem Haus Elisabeth drei neue, barrierefreie Wohngebäude entstehen sollen:

Jeweils 12 Personen können laut Arendt-Uhde dort wohnen. Pro Platz könne man 100.000 Euro veranschlagen, erklärt der Regionalgeschäftsführer. Das seien bei 36 Wohnangeboten 3,6 Millionen Euro. Zwar werde das Bauen immer teurer, doch: "Wir wollen die Qualität des Wohnens hochhalten", so Arendt-Uhde. Genutzt werden sollen die Häuser von sogenannten stresssensiblen Menschen, also zum Beispiel Autisten.Straße wird geöffnet

Die Neubauten sollen über die Dr.-Klingenberg-Straße und den Zuschlagsweg erreichbar sein, weshalb eine neue Zufahrt für Autos geschaffen wird. Arendt-Uhde will die Anwohner beruhigen: Weil insgesamt weniger Menschen dort leben werden, nehme auch der Verkehr ab. "Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass wir hier eine neue Anstalt schaffen." Stattdessen sollen die Gebäude so aussehen:

Weitere Standorte sind etwa Harpstedt, wo im März ein Neubau mit 24 Plätzen eingeweiht werden soll, sowie Hude. Dort ist geplant, die ehemalige Jugendherberge bis Mitte nächsten Jahres umzubauen für 30 Menschen mit geistiger Behinderung oder Suchterkrankung.