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Wegschmeißen ist keine Option Gang ins Ganderkeseer Reparatur-Café kann sich lohnen

Von Birgit Stamerjohanns | 07.01.2019, 08:55 Uhr

Diese Ehrenamtlichen helfen in Ganderkesee, wenn alte Geräte ihren Dienst nicht mehr verrichten wollen. Worum es beim Reparieren außer dem reinen Instandsetzen von Geräten noch geht.

Die Wühlmäuse in Erich Täubers Garten ahnen gar nicht, was für ein unglaubliches Glück sie gerade gehabt haben. Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde Uli Brandt mit seinem Leitsatz „Geht nicht, gibt’s nicht“ auch dieses Mal recht behalten. Aber im Kampf mit dem Beschaller hat er nach unzähligen Schraubenzieher-Umdrehungen und mehrfachem Einsatz des Phasenprüfers doch den Kürzeren gezogen.

Der Wühlmaus-Vergrämer ist und bleibt defekt. „Der soll eigentlich brummen und das tut er nicht mehr“, erklärt Erich Täuber, der sich nun etwas anderes überlegen muss, um die ungebetenen Gäste aus seinem Garten zu vertreiben.

Viele Geräte erhalten eine zweite Chance

Im Schnitt schaffen es die ehrenamtlichen Reparateure, weit mehr als die Hälfte aller angelieferten Gegenstände im Ganderkeseer Repair-Café in der Schule am Habbrügger Weg wieder zu reparieren.

Zum Beispiel das Relikt aus analogen Zeiten, das sich Eckhard Smith vorgenommen hat: Ein Tonbandgerät – es gehört einer Bekannten. „Da passiert gar nichts“, bringt es Smith auf den Punkt. Das rund 50 Jahre alte Gerät steht still und schweigt. „Ich hatte vorgeschlagen, das alte Ding doch einfach zu entsorgen“, sagt Eckhard Smith, während er sich mit einem Schraubenzieher an der Rückseite zu schaffen macht, „aber das kam offenbar nicht infrage.“ Holger Schobert hilft beim Versuch, das Tonbandgerät wieder zum Laufen zu bringen. Gemeinsam schrauben die Männer zwischen unzähligen Kabeln und Metallplättchen im Inneren des Geräts herum. Warum sich die beiden Bandteller plötzlich drehen und ein alter Schlager erklingt, können sie sich auch nicht so richtig erklären. „Egal, jetzt läuft er doch“, stellt Eckhard Smith erfreut fest. Anschließend reinigen die beiden die Tonköpfe mit Wattestäbchen und Spiritus. Wieder ein Fall erledigt.

Mehr als 300 Gegenstände repariert

Zehn Mal hat das Repair-Café im letzten Jahr in Ganderkesee stattgefunden. Mehr als 300 Gegenstände sind dabei auf den Tischen der ehrenamtlichen Instandsetzer gelandet – vom Staubsauger bis zum Reisefön, von der Spielzeugeisenbahn bis zur Nähmaschine.

„Die Idee ist, Dinge zu bewahren und zu erhalten, anstatt immer wieder alles neu zu kaufen“, erklärt Rebecca Remke. Sie ist Projektmanagerin für Klimaschutz beim Landkreis. Reparieren statt wegzuwerfen– diese Idee vermeidet nicht nur Müll und ist gut für das Klima, sondern schafft in der Schule am Habbrügger Weg auch Gemeinschaft.

Spaß am gemeinsamen Tüfteln

Die Helfer – viele von ihnen gelernte Handwerker – tüfteln gemeinsam über Problemen. Wer mag, darf mithelfen und bekommt gezeigt, wie man lötet oder wie ein Schaltkreis funktioniert. Die Freude über eine gelungene Reparatur ist der Lohn für die Arbeit der Freiwilligen. Das Angebot ist kostenlos, es stehen lediglich Spendendosen bereit.

Herbert Greulich ist gelernter Elektrotechniker und Elektromeister, hat aber nie in diesem Beruf gearbeitet: „Ich bin 1978 gleich in die Computerbranche gegangen.“ Beim Repair Café kann er nun zeigen, wie gut er sich auch mit Strom auskennt.

Seine Kundin hat Greulich allerdings gerade aus dem Raum komplimentiert: „Die habe ich erst mal zum Kaffeetrinken geschickt!“ Aus gutem Grund – die Lage am Lichterbogen ist ernst. Das gute Stück gehört Hildegard Torenz, und die hängt an dem Weihnachtsschmuck mit den kleinen Erzgebirge-Figuren: „Mein Vater ist im März gestorben, ich habe den Lichterbogen geerbt.“ Drei Fenster hatte es im Haus der Eltern gegeben, in denen zu Weihnachten die leuchtenden Bögen gestanden hatten. Jede der drei Schwestern bekam einen.

Offenbar hat Hildegard Torenz ein defektes Exemplar erwischt: „Als wir ihn das erste Mal anschließen wollten, war er kaputt.“ Zum Glück muss sie nun nicht mit ansehen, wie Herbert Greulich das Holz komplett auseinanderschraubt, geklebte Teile löst, die Kabel hervorzerrt und etwas ratlos ist. „Da würde ich vielleicht lieber einen neuen kaufen“, kommt ein Kommentar vom Nachbartisch. Aber Greulich weiß, wie viel Herzblut an dem Bogen hängt und tüftelt weiter. Nach einer halben Stunde - Hildegard Torenz steht wieder daneben – steckt Greulich den Stecker in die Steckdose. Alle Kerzen leuchten wieder. Geöffnet ist das Reparatur-Café immer am zweiten Dienstag im Monat in der Zeit von 17 bis 19 Uhr. – außer in den Schulferien. Zudem gibt es zwei Sondertermine – am 2. April und 1. Oktober.