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Wenig Hoffnung auf Belebung des Ortskerns Ganderkeseer Kaufleute: schlechte Stimmung zum Jahresende

Von Thorsten Konkel | 20.12.2015, 21:01 Uhr

Im dk-Interview spricht der GanterMarkt-Vorsitzende Timo Vetter Fehlentwicklungen an und blickt auf die Aktivitäten der Kaufleute im kommenden Jahr.

Ganderkesees Ortskernentwicklung bleibt auch 2016 zentrales Thema der Werbegemeinschaft GanterMarkt.

dk: Wie ist die Stimmung unter den von GanterMarkt vertretenen Kaufleuten in Bezug auf die Ortskernbelebung?

Timo Vetter: Schlecht! Unser „Zentrum“ büßt mehr und mehr an Attraktivität ein. Am Beginn der Rathausstraße begrüßen den Ortsfremden eine Kiosk-Ruine und ein leerer „Neuer Markt“, der den Namen schon lange nicht mehr verdient. Dazu viele Leerstände in den ehemaligen Räumlichkeiten von Wittekind-Apotheke, Café Hüholt, Radio Behrens, Flames, GanterKüchen und saisonal auch im Eiscafé.

Das Jahr 2015 über haben Sie die baldige Marktplatzumgestaltung gefordert. Nun sind die Mittel dafür gekürzt worden. Wie haben sich die Planungen aus ihrer Sicht nun entwickelt?

Das Vorankommen war vorher schon träge und schwierig. Die geplanten Mittel wurden jetzt gekürzt und auf mehrere Haushaltsjahre verteilt. Und das macht es jetzt nicht einfacher. Wir haben einen Entwurf, der seit 2009 in einem langen Prozess entstanden ist. Er bräuchte noch kleinere Schönheitskorrekturen, insbesondere im Bereich ,Kleiner Markt‘, aber dann sollte es schleunigst losgehen. Leider gibt es einen eigenwilligen Trend, mit den Planungen von vorne anfangen zu wollen. Teilweise mit viel Grünflächen und weniger Parkplätzen. Wenn man die Hoffnung auf regen Geschäftsbetrieb im Ortskern endgültig aufgegeben hat, wäre das vermutlich eine gute Idee.

Zwei neue Ärztezentren im nördlichen und südlichen Ortskern entstehen. Besucherstarke Zentren, verbunden über die Rathausstraße – wird das im Ort für neuen Kundenlauf sorgen?

Ich gehe entweder zum Arzt oder zum Einkaufen. Mich animiert ein Arztbesuch nicht gerade zum Shoppen. Allerdings haben viele Fachärzte auswärtige Patienten. Wenn ich als Auswärtiger einen Arzt in einem mir sonst fremden Ort besuche, dann kann ich die Gelegenheit natürlich für einen Bummel nutzen. Mir erzählte eine Ladeninhaberin, dass regelmäßig Ortsfremde durch die Rathausstraße flanieren, deren Augentropfen 30 Minuten einwirken müssen. Vielleicht wäre es ein guter Schritt, diese Einwirkzeit auf 60 Minuten zu erhöhen. In einem attraktiven Ortskern vergeht die Zeit auch aber viel schneller.

Wie läuft das Weihnachtsgeschäft angesichts des sehr milden Winters?

In vielen Branchen ist das Highlight ‚Weihnachtsgeschäft‘ nicht mehr das, was es einmal war. Dafür gibt es mehrere Gründe: rückläufige Konsumbereitschaft, die Attraktivität von Städten mit größerer Auswahl, das ,böse‘ Internet. Davon sind die einzelnen Branchen unterschiedlich stark betroffen.

Mit frischen Ideen hat GanterMarkt punkten können. Wie entwickelt sich der Herbstmarkt 2016?

Mir wäre es am liebsten, wenn uns die Entscheidung, wo der Rummel stattfindet, von Bauvorhaben im Ortskern abgenommen würde. Die Integration von Fahrgeschäften in das Geschehen im Ort war von Schaustellern und Gewerbetreibenden gewünscht. Man kann es wie immer nicht allen recht machen. Mein Traum für den Herbstmarkt ist immer noch ein Zelt. Das muss aber nicht zwingend so groß wie früher sein.

Und der Weihnachtsmarkt im nächsten Jahr?

Diese Organisation war für GanterMarkt jahrelang ein undankbarer Job. Wir wollten es nicht mehr machen. Das war Mitgliedervotum. Wir sind froh, dass H&W Weserevents sich rangetraut hat. Ein Kinderkarussell ist für das zweite GanterLeuchten sicher ein Thema. Ich bitte darum, Meckerei in konstruktive Anregungen fürs nächste Jahr umzuwandeln.