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Versuch zum Insektenschutz Wie das Bienenglück in Ganderkesee zum Erfolgsprojekt wurde

Von Niklas Golitschek | 13.12.2019, 19:08 Uhr

Was tun für den Insektenschutz? Das hat sich auch Landwirt Onno Osterloh gefragt und mit dem Bienenglück ein Projekt gestartet, das inzwischen auch überregional Aufmerksamkeit erhält.

Das Experiment ist geglückt: Im ersten Jahr ihres Hobby-Insektenprojekts "Bienenglück" haben die Initiatoren bereits zahlreiche Erkenntnisse gewonnen. “Das ist ein schönes Beispiel, wie man auf lokaler Ebene praktisch etwas machen kann”, bilanziert Landwirtschaftsökologe Klaus Handke.

Mehr als 50 Blumensorten ausgesät

Anfang des Jahres hatte Landwirt Onno Osterloh eine vier Hektar große Ackerfläche an den Bürsteler Fuhren für den Versuch umfunktioniert und mit dem landwirtschaftlichen Berater Jan Juister sowie Handke das Insektenschutz-Projekt gestartet. Auf 56 Kleinparzellen und acht Großparzellen haben sie mehr als 50 Blumensorten ausgesät und beobachtet. “Wir wollten probieren, was am besten wächst, am längsten blüht und die meisten Insekten anzieht”, erläutert Handke. Die Fläche versuchten sie so zu pflegen, dass von März bis September durchweg Sorten blühen. Dazu legte Osterloh Randstreifen an, in denen sich die Insekten verstecken und entwickeln konnten. “Ich habe die Steine von Hand vom Acker gesammelt und hingefahren”, erzählt der Initiator, auch andere Materialien wurden dafür verwendet. Auch die Pflege sei viel Handarbeit gewesen, wenn es etwa darum ging, das Unkraut auszurupfen.

Reichlich Erfahrung gesammelt

In den ersten Monaten ihres Projekts sammelten die drei Fachleute bereits reichlich Erfahrung. Das habe schon beim einzelnen Saatgut angefangen. Wicken und verschiedene Kleesorten seien wegen der Trockenheit gar nicht gekommen, schildert Juister. Die Phacelia dagegen sei fast explodiert. Beeindruckt zeigte sich Handke auch von der Wirkung des Sonnenblumenstreifens vor dem Maisfeld. “Das reicht, dass sich 200 Grünfinken über Monate wohlfühlen”, erzählt er. Ansonsten würden sie wegen Futtermangels fernbleiben, selbst Insektenfresser wie Meisen hätten sich durch die Sonnenblumen dort angesiedelt.

Ziel: Passendes Umfeld für bedrohte Arten

Landwirt Osterloh zeigt sich auch beeindruckt, dass sich viele Insekten auch auf den Parzellen tummelten, an denen teils keine Blumen blühten – das Grün reichte offenbar aus. Für ihn zeigt das auch: “Es geht nicht nur um die Bienen.” Gegen das Insektensterben im Allgemeinen müsse etwas unternommen werden. Saatgut-Mischungen seien dabei häufig eher etwas fürs Auge als für die Insekten selbst. Sein Anliegen sei es jedoch, gerade den bedrohten Arten ein passendes Umfeld zu bieten.

Verschiedene Variationen

Auch in der Pflege der Fläche probierten die drei unterschiedliche Formen aus, wie Osterloh sagt, und haben festgestellt: “Es ist ein Unterschied, ob man im Juli, August oder September mäht.” Die verschiedenen Varianten seien auch für die Vögel durchaus interessant gewesen, ergänzt Handke: “Mehr Vielfalt kann man sich gar nicht vorstellen.”

Auch Saatgut-Hersteller interessiert

Mit ihrem Versuch weckten die drei nicht nur das Interesse der Lokalbevölkerung, die das Projekt mit Spenden unterstützte. Auch Landwirte und Saatgut-Hersteller – teils sogar aus Schleswig-Holstein angereist - hätten sich erkundigt, um für eigene Lösungen beziehungsweise Produkte Inspiration zu finden.

Paten gesucht

Im kommenden Jahr soll das "Bienenglück", das auf fünf Jahre angelegt ist, fortgeführt werden. Dann will Osterloh mit bis zu 120 Parzellen noch kleinteiliger arbeiten. Auch ein Vortrag über das Projekt, ein Schulfest und ein Insektenseminar zugunsten des Areals sind geplant. Allerdings seien erst rund 1,3 der erhofften drei Hektar durch Spenden finanziert, merkt Osterloh an. “Es wäre schade, wenn es kleiner wird.” Passend zur Weihnachtszeit bietet er ab 20 Euro Patenschaftsgutscheine an. Erreichbar ist er unter der Telefonnummer (04222) 4000600 oder per E-Mail an bienenglueck@hof-osterloh.de.