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Wieder Wildunfall in der Gemeinde Warum es in Harpstedt besonders oft kracht

Von Vincent Buß | 18.10.2018, 18:45 Uhr

Bei einem Wildunfall in Harpstedt ist ein Autofahrer am Mittwochabend, 17. Oktober, schwer verletzt worden. Warum es in der Gemeinde so oft kracht und was dann zu tun ist, weiß der Experte Erich Kreye.

Dass Harpstedt die Wildunfallhochburg des Landkreises ist, hat sich am Mittwoch erneut gezeigt. Laut Polizei war ein 28-jähriger Autofahrer aus Twistringen um 18.15 Uhr auf der Delmenhorster Landstraße in Richtung Harpstedt unterwegs, als vor ihm Damwild die Fahrbahn kreuzte. Der Mann versuchte auszuweichen, sein Auto stieß jedoch mit dem Wild zusammen, kam nach links von der Fahrbahn ab und überschlug sich.

Zeugen konnten den schwer verletzten Twistringer aus seinem Fahrzeug befreien, er war bei Bewusstsein und ansprechbar. Sie versorgten ihn, bis die Rettungskräfte eintrafen. Der 28-Jährige wurde daraufhin in einem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren. Auch die Freiwillige Feuerwehr Harpstedt kam zum Unfallort. Die Polizei ging von einem Totalschaden von etwa 8000 Euro am Auto aus. Es war nicht mehr fahrbereit und musste abgeschleppt werden.

Darum passieren in Harpstedt so viele Wildunfälle

In keiner anderen Gemeinde des Landkreises Oldenburg wurden von 2010 bis 2017 mehr Wildunfälle gemeldet als in Harpstedt. Das zeigt die aktuelle Statistik der Polizei. „Der Waldanteil ist dort am höchsten“, erklärt Erich Kreye, Beisitzer der Kreisverkehrswacht. „Und dort, wo Wald ist, ist zwangsläufig auch Wild.“ 2017 wurden in Harpstedt 221 Unfälle verzeichnet, Ganderkesee lag mit 116 gemeldeten Unfällen auf Rang drei.

Im Jahr 2016 erreichte Harpstedt als erste und einzige Gemeinde der Statistik mehr als 200 Wildunfälle. Kreye, der früher Kreisjägermeister des Landkreises Oldenburg war, vermutet zum Einen, dass es mehr Autos und somit mehr Verkehr auf den Straßen gibt. Zum Anderen sei die Zahl der Wildtiere gestiegen.

Was bei einem Zusammenstoß zu tun ist

Bei einem drohenden Zusammenstoß mit Tieren rät Kreye, das Lenkrad festzuhalten und zu bremsen. Der pensionierte Polizist warnt vor Ausweichmanövern: „Ab einer gewissen Geschwindigkeit hat man kaum Chancen, das Fahrzeug wieder unter Kontrolle zu bringen.“

Wenn der Unfall schon passiert ist, sollen die Verursacher laut Kreye vor Ort bleiben, das Warnblinklicht anschalten und die Polizei anrufen. „Und bloß nicht die Tiere anfassen.“ Wenn etwa ein Wildschwein wieder zu sich komme, könne die Situation schnell gefährlich werden. Die zuständigen Jäger oder Förster informiert laut Kreye die Polizei. Er betont, dass die Jäger für die Entsorgung des Wildes bis zu 50 Euro verlangen können. Die Kosten übernehme jedoch eventuell die Versicherung. Wer eine Teil- oder Vollkasko-Versicherung hat, dem könnte zudem der Schaden am Auto komplett bezahlt werden.

Die Hauptsaison der Wildunfälle hat noch nicht begonnen. Laut der Kreisverkehrswacht ist das Risiko von November bis Januar besonders hoch. Insbesondere während der Dämmerung und in der Dunkelheit sollten Autofahrer Acht geben.