Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Wiese trägt Namen zurecht Grabungen auf Ganderkeseer Köhlerwiese dauern bis Ostern

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 16.03.2016, 18:00 Uhr

Hier und da eine kleine Scherbe, vor allem aber Schlackegruben: Mit der Erde legen dieser Tage Grabungsspezialisten zugleich die Geschichte der Köhlerwiese in Ganderkesee frei. Dort entsteht ein Baugebiet.

Die immerhin 40 Schlackegruben wiesen auf jene Stellen hin, an denen vor vielleicht 1000, eventuell gar 1500 Jahren Öfen gestanden hätten, erklärt Daniela Behrens. Für die Grabungsleiterin der Firma „denkmal3D“ aus Vechta ist offensichtlich, dass auf der Köhlerwiese – nomen est omen - einst Holzkohle hergestellt worden ist: zur Eisenverhüttung. Sogenannte Pfosten-, Siedlungs- und Abfallgruben wiesen zudem darauf hin, dass zwischen der heutigen Bergedorfer Straße und dem Bahnübergang aber auch schon einmal Menschen gelebt hätten.

Ausgrabungen auf der Köhlerwiese in Ganderkesee haben Vorrang

Wann genau, weiß Behrens zwar bislang nicht. Doch steht die nähere Untersuchung der Fundstücke noch aus. Aktuell hat die Arbeit auf dem Acker Vorrang für die Grabungstechniker. Denn „denkmal3D“ möchte bis Ostern mit seinen Ausgrabungen fertig werden. Während Bagger, aus weiter Ferne sichtbar, die grobe Arbeit verrichten, durchkämmt Behrens derzeit mit bis zu vier Mitarbeitern den Boden per Hand.

Neben den Gruben, welche sie mit Stickern als Befunde markiert, mit Nägeln absteckt, durchschneidet und schließlich auch noch fotografisch dokumentiert, findet sie zwischendurch auch die eine oder andere Scherbe. Vermutlich hätten sich die Scherben einst zu Vorratsgefäßen gefügt, glaubt sie.

Nach den Ausgrabungen sollen auf der Köhlerwiese Mehrfamilienhäuser entstehen

Notwendig geworden war der Einsatz der Archäologen, Kulturdokumentatoren und Vermessungsspezialisten von „denkmal3D“, nachdem das Landesamt für Denkmalpflege im Herbst letzten Jahres bei der Prospektion der Köhlerwiese auf eine archäologische Fundstelle gestoßen war. Die Firma Schüttke-Haus-Bau Projektentwicklung GmbH aus Bookholzberg möchte auf der Wiese bis zu zwölf Grundstücke für Mehrfamilienhäuser erschließen – idealerweise ab Mitte dieses Jahres. Auch ein Spielplatz soll auf der Netto-Baufläche von etwa 16.000 Quadratmetern entstehen.

Die Fundstücke, welche Daniela Behrens und ihre Mitarbeiter dieser Tage auf der Köhlerwiese bergen, werden dem Landkreis als Zeugnisse früheren menschlichen Lebens in Ganderkesee erhalten bleiben. Die Schlacke sieht der Entsorgung entgegen.