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Wildeshauser vor Gericht Gut lief es nur im Jugendarrest

Von Ole Rosenbohm | 18.01.2019, 08:22 Uhr

Alkohol, Drogen, Wut – diese Mischung brachte einen 19-jährigen Wildeshauser schon vergangenes Jahr in den Jugendarrest. Jetzt musste er sich erneut wegen mehrerer Taten verantworten.

Beide schreien, seine Freundin langt ihm eine, er rastet total aus, schlägt mit dem Ellenbogen das Beifahrerfenster kaputt und dann noch mit der Faust in ihr Gesicht. Nicht der einzige Fall, für den sich ein 19 Jahre alte Wildeshauser jetzt vor der Jugendrichterin verantworten musste.

Denn auch mit seiner nächsten Freundin hatte er Stress. Statt an ihr, ließ er seine Wut am 15. Juli vergangenen Jahres aber an drei Heckscheiben parkender Autos aus – Sachschaden: 1200 Euro. Auch eine Scheibe einer Haustür trat er in dieser Nacht ein. Und eine Frau, die ihn zurückhalten wollte, schubste er weg. Er war nicht aufzuhalten, rasend vor Wut, dazu betrunken.

Ähnlich wie fünf Tage zuvor, als er die Tür seines von ihm und seiner Mutter bewohnten Hauses eintrat. Der Angeklagte gab jede Tat zu.

Aggressionen und Ausbrüche

Warum im jungen, eher freundlich und einsichtig wirkenden Mann, die Aggressionen so oft zum Ausbruch kommen, hatten auch schon der Jugendgerichtshelfer und ein ihn bisweilen betreuender Pädagoge herauszufinden versucht. Weil es ihnen nicht gelang, sind sie sich sicher: Der 19-Jährige braucht dringend psychologische Hilfe. Nicht nur, um seine Wut in den Griff zu bekommen, sondern auch sein Leben. Bisher lief da nämlich noch nicht viel: Schule abgebrochen trotz einstiger guter Noten, gerichtliche Weisungen aus früheren Verfahren nicht eingehalten, Ämter ignoriert. Noch nicht einmal um Sozialhilfe oder eine Wohnung hat er sich gekümmert. Gut lief es zuletzt nur im einmonatigen Jugendarrest im November, in dem er sich so positiv verhielt, dass er vorzeitig frei kam. Seit diesem Arrest, sagt er, habe er keine Drogen mehr genommen, auch kaum noch Alkohol getrunken.

Zwei Körperverletzungen und sechs Sachbeschädigungen

Viele Baustellen, die angegangen werden müssen, fand die Richterin, die sich im Urteil wegen zwei Körperverletzungen und sechs Sachbeschädigungen ganz im Sinne des Jugendgerichtsgesetzes für Erziehungsmaßregeln entschied und fünf Weisungen verfügte, die der Angeklagte nun zu erfüllen hat. Im Einzelnen legte sie ihm auf, sich (erneut) sechs Monate durch den mit jugendlichen Straftätern arbeitenden Verein „Brücke Wildeshausen“ betreuen zu lassen, dazu mindestens drei Termine bei einer Drogenberatung zu absolvieren. Und er muss seine Angelegenheiten klären, legte die Richterin fest: sich beim Sozialamt melden, dann einen Job finden: „Sie finden einen, Sie sind jung, gesund und intelligent.“ Denn schnorre er sich weiter bei Oma und Kumpels durch, führe sein Lebensstil unweigerlich zu neuen Straftaten.

Und die Opfer seiner Ausraster? Nur eine Frau, deren Heckscheibe zertrümmert wurde, spielte im Verfahren eine Rolle. Sie hatte sich als einzige gemeldet. Sie arbeite in einer Bäckerei, die 484 Euro Schaden seien viel Geld für sie, hatte sie geschrieben. Ab März, auch das eine Weisung des Gerichts, muss der Angeklagte den Schaden abstottern.