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Wildunfälle in Ganderkesee Reh trifft auf Berufsverkehr

Von Biljana Neloska | 19.09.2018, 19:02 Uhr

Die Gemeinde Ganderkesee liegt im Landkreis auf Platz 2, was die Zahl der Wildunfälle im vergangenen Jahr angeht. Mit Beginn der nahenden dunklen Jahreszeit steigen auch die Unfallzahlen. Die Polizei gibt Tipps, wie sich Autofahrer verhalten sollten.

116 Wildunfälle gab es 2017 in Ganderkesee. Damit ist die Gemeinde nach Großenkneten mit 140 Wildunfällen Spitzenreiter in der Landkreis-Statistik. Die Unfall-Hochphasen liegen in den Herbst- und Wintermonaten, wenn die Tage kürzer werden. „Besonders groß ist das Unfallrisiko in der Dämmerung zwischen 6 und 8 Uhr sowie zwischen 16 und 20 Uhr. Hier treffen Berufsverkehr und Wildwechsel aufeinander. Im Falle des Damwildes kommt von Oktober bis November noch die Brunftzeit hinzu, in der die Tiere zeitweise unüberlegter handeln als sonst“, sagt Henning Scheer, Sprecher der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch.

Schießen und Blinken

Unfallschwerpunkte seien Straßenabschnitte, an denen sich neben der Fahrbahn bewaldete Gebiete befinden. Die Polizei, die Verkehrswacht und die Kreisjägerschaft bemühen sich auf unterschiedlichen Wegen, Wildunfälle zu vermeiden. „Die häufigsten Unfälle passieren mit Rehen. Die Jäger haben einen Abschussplan für Rehwild und werden vom Kreisjägermeister auch angehalten, diesen zu erfüllen. In manchen Jahren sind es mehr Unfälle, als die Jäger schießen“, sagt Jan-Bernd Meyerholz vom Hegering Ganderkesee. Es gebe spezielle Stellen, „uralte Wechsel“, wie Meyerholz sagt, wo Rehe vermehrt die Straße überqueren. Erfahrene Jäger wüssten auch, wo sich diese befinden. Dort seien sie besonders aufmerksam. Zirka 150 Abschüsse im Jahr stünden für den Ganderkeseer Hegering im Abschussplan. „Jeder, der das schon mal erlebt hat, weiß, wie das ist. Plötzlich ist das Reh aus dem Nichts da. Um das zu vermeiden, haben die Jäger vor einigen Jahren blaue Reflektoren gekauft und an Leitpfosten in der Gemeinde befestigt“, erklärt der Meyerholz. Die Reflektoren sollen im Scheinwerferlicht aufleuchten, das Wild abschrecken und am Überqueren der Straße hindern, bis das Auto vorbeigefahren ist. Etwa 1000 Stück gibt es davon in der Gemeinde, schätzt Meyerholz.

Hinweise auf mehr Wildwechsel

Neben Reflektoren kommen in Ganderkesee auch Warnschilder, Duftzäune und orangefarbene Dreibeine zum Einsatz. Allerdings sei eine deutliche Reduzierung der Wildunfälle-Anzahl dadurch bisher nicht ersichtlich, berichtet Scheer. Dennoch: „Die Hinweisschilder auf Wildwechsel sollten ernst genommen und die Geschwindigkeit reduziert werden. Aber auch an den Leitpfählen angebrachte besondere Reflektoren können Indiz dafür sein, dass in diesem Bereich vermehrt mit Wildwechsel zu rechnen ist. Die Fahrzeugführer sollten dann auch die Fahrbahnränder im Blick haben und den Sicherheitsabstand zu den vorausfahrenden Fahrzeugen vergrößern“, erklärt Scheer. Zudem sollten Autofahrer auch immer damit rechnen, dass mehrere Tiere zusammen unterwegs sind und daran denken, dass in Zusammenhang mit Wildunfällen auch Bäume zur großen Gefahr werden können.

„Stark bremsen, Lenkrad festhalten“

„Daher appellieren wir an alle Autofahrer, gerade in ländlichen Bereichen umsichtig zu fahren. Wenn Wild auftaucht: Stark bremsen, Lenkrad festhalten, nicht ausweichen, Fernlicht abblenden, das Wild durch Hupen vertreiben, wenn möglich, mit Warnblinklicht andere Verkehrsteilnehmer warnen“, rät Scheer. Passiert dennoch ein Wildunfall, muss der Warnblinker eingeschaltet, das Warndreieck aufgestellt, die Warnweste angezogen und gegebenenfalls Verletzte versorgt und die Polizei verständigt werden.