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Willkommenskultur trifft Umweltschutz 13 Flüchtlinge leben in Ganderkesee in energieautarkem Haus

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 21.06.2016, 15:01 Uhr

Erst wollte er „nur“ zeigen, dass es auch ohne Wasser und Energie von außen geht: Jetzt leben 13 Flüchtlinge im energieautarken Haus von Siegfried Preuß.

„Meine Frau und ich - wir beide haben uns dazu entschieden, einen kleinen Beitrag zu leisten“, sagt Siegfried Preuß mit Blick auf sein Haus. Nicht auf jenes Haus, in welchem er, anders als ursprünglich geplant, weiterhin wohnt, sondern auf jenes, in das er „eigentlich“ längst mit seiner Frau eingezogen sein wollte, ehe das Ehepaar die Immobilie für zunächst drei Jahre an die Gemeinde vermietete, damit diese dort Flüchtlinge unterbrächte.

Bundesweit einzigartig

Wahrscheinlich handelt es sich bei den beiden Familien aus dem Irak, die seit Februar dieses Jahres in Ganderkesee im Haus von Preuß leben, um die einzigen Flüchtlinge bundesweit, die sich eine „energieautarke“ Immobilie teilen.

Komfortables Leben möglich ohne Wasser und Energie von außen

Denn als solche hat der Bauingenieur Preuß das Haus geplant und gebaut. Er habe beweisen wollen, dass hierzulande durchaus ein komfortables Leben möglich sei, ohne Wasser und Energie von außen zuführen zu müssen und auch mit einem wesentlich geringeren Kohlendioxid-Ausstoß als üblich.

Aufbereiten von Regenwasser

Um dieses Ziel zu erreichen, hat Preuß sein Haus mit einer großen Solarzellen-Front ausgestattet sowie mit einem raffinierten System zum Auffangen und Aufbereiten von Regenwasser.

Unter den gegebenen Umständen geht des Bauherren einstige Gleichung freilich nicht mehr auf.

13 Flüchtlinge das Haus

Preuß hatte die Immobilie für fünf Personen geplant. Derzeit teilen sich aber 13 Flüchtlinge das Haus, ein 14. wird eventuell im August hinzukommen. Verärgert hierüber aber ist der Hausherr deswegen keinesfalls – im Gegenteil. Um eben „einen kleinen Beitrag“ zu leisten, hat er – auf eigene Rechnung - zusätzliche Wände in das Haus eingezogen und schließlich doch die nötigen Anschlüsse legen lassen, damit die Bewohner eventuelle Energieengpässen notfalls auffangen könnten, Engpässe, wie sie gerade im Winter beim Aufbereiten warmen Wassers für derartig viele Personen auftreten könnten.

Längst ist um das Ehepaar Preuß ein wahres Netzwerk aus Helfenden gewachsen. So hätten Nachbarn durch ihre Spenden die komplette Einrichtung des Hauses finanziert, sagt Preuß. Besonders engagiert zeigt sich Waltraud Bergmann.

Deutschunterricht

Etwa dreimal pro Woche komme sie vorbei, um die Bewohner in Deutsch zu unterrichten, sagt sie. Sie helfe den Kindern bei den Hausaufgaben, unterstütze die Erwachsenen in organisatorischen Fragen und gehe mit ihren neuen Freunden bei Bedarf auch zum Arzt, in die Bank oder zu den Behörden.

Flüchtlinge packten ihrerseits gerne mit a

nDoch nicht allein die Nachbarn der Iraker erwiesen sich als hilfsbereit, versichert Preuß. Die Flüchtlinge packten ihrerseits gern an, wenn er einmal Hilfe gebrauchen könne. So helfe ihm der 15-jährige Jamal gerade dabei, einen Springbrunnen für den Teich im Vorgarten des Hauses zu bauen – freiwillig und unentgeltlich. „Wir wollen es uns hier eben alle schön machen“, sagt Preuß dazu.