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Windenergie aus Ganderkesee Repowering bringt Windpark Hengsterholz voran

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 21.08.2017, 10:49 Uhr

Im Windpark Hengsterholz wird ein Neustart gefeiert. Für Bergedorf wird neu gerechnet, und am Sannauer Hellmer haben Gutachter das Wort.

Verwirbelungen unterschiedlicher Art wirken auf den Ausbau der Windkraft in der Gemeinde Ganderkesee ein. Nur die Betreiber des Windparks Hengsterholz sehen sich zurzeit ganz klar im Aufwind: Sie haben 17 Jahre alte Windräder durch neue, größere und viel leistungsfähigere Anlagen ersetzt und feiern das am Sonnabend, 26. August, mit der Öffentlichkeit.

Anlagenhöhe in Hengsterholz verdoppelt

Die in Oldenburg ansässige Projekt-Firmengruppe hat für die PWG GmbH&Co./Bürgerwindpark Hengsterholz KG zwei Windenergieanlagen des Herstellers Vestas mit je 3,45 Megawatt Nennleistung errichtet. Als Ersatz für die fünf alten Windräder ist eine weitere zeitgemäße Anlage des Typs Vestas V 117 für einen anderen Investor aufgestellt worden. Zusammen können die neuen Anlagen fast fünfmal so viel Strom erzeugen wie die alten. Die neuen Anlagen haben eine Nabenhöhe von 141 Metern und 57 Meter lange Rotorblätter. Die alten Anlagen, mit 100 Metern Gesamthöhe nur halb so hoch wie die neuen, sind vom Netz genommen und werden jetzt abgebaut. „Mit dem Rückbau wollten wir im Frühjahr beginnen. Die Naturschutzbehörde hat uns aufgefordert, das Ende der Brut- und Setzzeit abzuwarten. Jetzt wird überall gebaut, und es ist schwierig, die großen Baumaschinen und Kräne zu bekommen“, berichtet Projektleiterin Kirsten Smit-Wiechelt, „aber wir sind am Ball.“

Nachmittags Fest für die Öffentlichkeit

Räumlich zusammengewachsen ist der Windpark Hengsterholz mit dem Bürgerwindpark Dötlingen in Haidhäuser, wo weitere zwölf moderne Vestas-Windenergieanlagen stehen. Ein Festakt zur offiziellen Eröffnung der Windparks in Hengsterholz und Haidhäuser nach dem Repowering beginnt am 26. August um 11 Uhr mit Grußworten Ubbo de Witts, Geschäftsführer der Projekt-Firmengruppe, und Hermann Raschens, Geschäftsführer der VR-Energieprojekte Dötlingen, hinter der die Volks- und Raiffeisenbanken Delmenhorster Geest stehen. Das öffentliche Fest im Schatten der Windräder beginnt um 13 Uhr. Für die Kinder gibt es eine Hüpfburg. Ein großer Kranwagen liftet Besucher in einer Gondel in luftige Höhe. Die Tür zum Turm eines der Windkraftriesen ist geöffnet und gibt den Blick frei auf eine steile Treppe bis zur ersten Zwischenplatte, auf den Fahrstuhl ganz nach oben bis zur Gondel und auf Geräte. Kremser kutschieren die Besucher durch die weitläufigen Windparks. Die drei Hauptgewinner einer Tombola erwartet ein besonderes Erlebnis: Sie fahren mit einem Mitarbeiter hinauf in die Gondel und genießen einen außergewöhnlichen Blick in die Ferne.

Informationen rund um die Windkraft

Auf dem Festplatz sind Stände für Speisen und Getränke aufgebaut. Es gibt Informationen zur Windenergie im Allgemeinen. Hersteller Vestas ist vertreten. Energiegenossenschaften und die GEWI-AG als Strom-Direktvermarkter stellen sich vor. Es gibt Auskünfte über einen regionalen Bürgerstromtarif. Auch Netzbetreiber Avacon präsentiert sich. Das Festzelt ist von der Haidhäuser Seite über die Straße Kronskamp zu erreichen. Feuerwehrleute weisen die Richtung.

Für Bergedorf neue Kalkulation

Peter Spengemann, Leiter Repowering der WPD Windmanager Bremen, gratuliert den Hengsterholzern, die Modernisierung geschafft zu haben. „1999/2000 habe ich das Windparkprojekt als Fachberater nah begleitet und mitbekommen, dass es in der Bevölkerung kritische Stimmen gegeben hat. Glückwunsch, dass das Repowering jetzt problemlos über die Bühne gegangen ist“, sagt Spengemann. Eins seiner aktuellen Projekte ist das Repowering des Windparks in Bergedorf. „Wir werden die alten Anlagen durch neue ersetzen, haben aber noch keinen Bauantrag gestellt“, berichtet der Windmanager. Das soll um den Jahreswechsel 2017/2018 herum geschehen. Bis dahin wird laut Spengemann ausgerechnet, wie die Investition mit der nach neuem Energie-Einspeise-Gesetz (EEG) auf 4,27 Cent gesenkten Einspeisevergütung unter einen Hut gebracht werden kann. „Wenn wir die Planungsphase abgeschlossen haben, informieren wir die Gemeinde und die Bürger“, verspricht Spengemann.

Planungen für Sannauer Hellmer stocken

Nur kleine Fortschritte macht laut Knud Rehfeldt der die Grenze der Gemeinden Ganderkesee und Lemwerder übergreifende Windpark Sannauer Hellmer. Hier haben dem Geschäftsführer der Deutschen Windguard und Koordinator des Gesamtprojekts verschiedener Investoren zufolge Gutachter das Wort, die beurteilen, ob die geplanten 33 Windräder der Flugsicherung am Bremer Flughafen die Radarbilder zu stark verzerren. Inzwischen gibt es Rehfeldt zufolge trotz der Einwände der Flugsicherung die ersten Baugenehmigungen, auch für zwei der 14 auf Ganderkeseer Gebiet geplanten Windenergieanlagen. „Das heißt nicht, dass in Kürze gebaut wird“, stellt Rehfeldt klar. Er erinnert daran, dass Ganderkesee einen Gesamtausgleich für seinen Windparkanteil festgeschrieben hat. Rehfeldt hält es für ausgeschlossen, dass einzelne Investoren die Gesamtkosten für den Öko-Ausgleich ohne die Gewissheit übernehmen, dass das Gesamtprojekt verwirklicht wird und die Lasten auf mehrere Schultern verteilt werden können. Die Gemeinde Lemwerder hat den Öko-Ausgleich für jede Anlage einzeln festgeschrieben. Deshalb sind dort die ersten Anlagen schon im Betrieb oder im Bau.

Grüppenbühren-Repowering abgesagt

Im Windpark Grüppenbühren gibt es in absehbarer Zeit keine Veränderungen. Repowering-Pläne sind in der Schublade versenkt worden, nachdem Orts- und Heimatvereine im Umkreis des Windparks sich dagegen gestellt hatten. Bei ihnen hatten sich die Argumente der Windkraftgegner mit dem Wortführer Lothar Meyer aus Stenum durchgesetzt: Ungeklärte Folgen des Infraschalls, Schattenwurf und Wertverlust der Immobilien, negative Auswirkungen auf die Natur und mangelhafte Infrastruktur fürs Ableiten des erzeugten Stroms vor allem.